• GAZETELER Rückblick: „Diese Männer beabsichtigten ein Blutbad“ Wie die „Hürriyet“ über die Anschläge von Rudow berichtet

GAZETELER Rückblick : „Diese Männer beabsichtigten ein Blutbad“ Wie die „Hürriyet“ über die Anschläge von Rudow berichtet

Suzan Gülfirat

Nach den zwei Brandanschlägen von Rudow ist die „Hürriyet“ offenbar davon überzeugt, dass Rechtsradikale in Deutschland serienweise Anschläge auf die Häuser von Türken verüben. Anfang der vergangenen Woche hatte die Polizei, wie berichtet, zwei mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Szene in Neukölln festgenommen, die in Verdacht stehen, die Brandsätze geworfen zu haben. Das Amtsgericht Tiergarten erließ Haftbefehle wegen versuchten Mordes.

„Hier habt ihr die Brandstiftung, hier die Neonazis“, titelte die „Hürriyet“ am Freitag. In den Unterzeilen hieß es: „Nachdem wir bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen neun unserer Landsleute verloren haben, stellt sich jetzt heraus, dass bei den in Brand geratenen türkischen Häusern die Neonazis ihre Finger im Spiel haben.“ Dazu zeigte die „Hürriyet“ ein Foto, das kurz nach dem Anschlag entstand: Der türkischstämmige Unternehmer Bayram Y. steht auf dem Balkon und zeigt auf die verrußte Stelle an der Fassade seines Hauses. Die „Hürriyet“ berichtete damals über den Fall, woraufhin der türkische Generalkonsul Nazif Alpman die Familie Y. besuchte.

Für ihre Theorie über serienmäßige Brandanschläge auf die Häuser von Türken ging die „Hürriyet“ von einem Artikel im Tagesspiegel aus. Darin wurde ein Polizeisprecher zitiert, wonach im selben Bezirk zuvor auch auf das Haus einer bosnischen Familie ein Brandanschlag verübt worden war. Die Polizei sah bei diesem Fall zunächst keinen fremdenfeindlichen Hintergrund, jetzt hieß es jedoch, es sei ein „Fehler“ gewesen, die Öffentlichkeit nicht über diesen ersten Fall in Rudow zu informieren, sagte der Sprecher.

Daraus folgert „Hürriyet“ nun, dass die Polizei nicht nur den Fall der bosnischen Familie, sondern auch andere Brandfälle nicht ernstgenommen habe. „Nach dem Brand in Ludwigshafen stellt sich jetzt heraus, dass bei den in Deutschland an den verschiedensten Orten entstandenen Hausbränden bei Türken die Neonazis ihre Finger im Spiel hatten“, hieß es im Text. Eine der Zwischenüberschriften im Text lautete: „Die Polizei hat den Brand nicht registriert.“

Am Sonnabend legte die „Hürriyet“ nach. „Sie beabsichtigten ein Blutbad“, titelte die Zeitung. In den Unterzeilen hieß es: „Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft den beiden deutschen Neonazis, die auf das Haus des türkischen Unternehmers Bayram Y. und einer bosnischen Familie einen Brandanschlag verübt hatten, Mordversuch vor.“ Zu Wort kam auch der schulpolitische Sprecher der Berliner Grünen, Özcan Mutlu. „Das muss zu denken geben, wenn sich in Berlin die Menschen zu ihrem eigenen Schutz einen Hund zulegen und ihr Haus mit einer Kamera ausstatten müssen,“ sagte er. Suzan Gülfirat

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