Berlin : Gazeteler Rückblick: Ein Atatürk-Poster zum Jahrestag

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am Sonnabend erschien auf den Europaseiten der vier größten Tageszeitungen Hürriyet, Sabah, Türkiye und Milliyet jeweils ein Artikel über eine Pressekonferenz des neuen türkischen Botschafters, Osman Korutürk, der seit dem 1. Oktober im Amt ist. "Eine schöne Botschaft von Korutürk", titelte Türkiye ihren Bericht. Zu den "in der Botschaft zugelassenen Journalisten", so die Zeitung, habe Korutürk gesagt: "Fühlt Euch hier wie zu Hause." Die Hürriyet berichtete über das Treffen in nur wenigen Zeilen. "Der Botschafter mit seinen Medienangehörigen", lautete hier die Überschrift. Allerdings wurde in dem Artikel der Ausspruch des Botschafters anders wiedergegeben: "Unsere Tür steht jedem offen." In allen vier Zeitungen erschien ein Gruppenfoto mit den zum Teil in Berlin beheimateten Journalisten.

Die Milliyet hatte einen Tag vor dem Treffen von der "Anfrage-Krise in Berlin" berichtet. Rund 3000 Türken, darunter auch türkischen Vereine aus Berlin, hatten vor mehr als zwei Wochen am Kurfürstendamm gegen eine US-Resolution (die mittlerweile wieder zurückgenommen wurde) protestiert, in der die Türkei des Völkermordes an den Armeniern beschuldigt wurde. Der PDS-Politiker Giyasettin Sayan hatte daraufhin im Berliner Abgeordetenhaus eine kleine Anfrage gestellt.

In der Milliyet vom Donnerstag warf Sayan dem türkischen Konsulat in Berlin vor, die Türken in Berlin zu dieser Demonstration aufgerufen zu haben. Er berief sich dabei auf "einen Zeitungsartikel vom 13. Oktober" aus einer türkischen Zeitung. In diesem Artikel der Hürriyet hieß es, dass das türkische Konsulat in Berlin und verschiedene türkische Vereine im Rahmen "einer demokratischen Plattform" diese Demonstration beschlossen hätten. Sayan sagte gegenüber der Milliyet, er wolle vom Abgeordnetehaus nun unter anderem wissen, welchen Aufgaben sich die türkischen Vereine in Berlin verschrieben haben, und ob sie das Geld, das sie vom Senat erhalten, für türkeipolitische Aufgaben verwenden dürften.

Konsul As¤m Temizgil hat die Zusammenarbeit mit den türkischen Vereinen laut Milliyet nicht abgestritten. "Wie sonst soll ich von den Problemen unserer Landsleute hier erfahren können", wird er zitiert. Er treffe sich seit einiger Zeit deshalb regelmäßig mit Vertretern der türkischen Vereine. Allerdings wehre er sich entschieden gegen die Behauptung, die Demonstration sei von einer Dachorganisation des Konsulats organisiert worden. Solch eine Dachorganisation des Konsulats existiere nicht. Bei dem letzten Treffen mit dem Kreuzberger Verein "Türkische Gemeinde" sei auf Wunsch des Vereins-Vorsitzenden auch die Demonstration am Kurfürstendamm auf die Tagesordnung gesetzt worden. Es sei dabei aber zu keinem Entschluss, sondern lediglich zu einem Gedankenaustausch gekommen.

Außerdem berichteten die türkischen Zeitungen in der vergangenen Woche über die "Vorbereitungen zu den Republikfeierlichkeiten" und die "Vorfreude" darauf in Deutschland. Gestern, am 29. Oktober, feierte der türkische Staat, wie in jedem Jahr die Gründung der Türkischen Republik im Jahre 1923. Aus diesem Anlass war am Sonnabend in der Deutschlandausgabe der Tageszeitung Sabah eine große türkische Papierfahne beigelegt. "Damit können sie ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz schmücken." Die Hürriyet fügte ihrer Deutschlandausgabe vom Sonnabend ein doppelseitiges Atatürk-Poster bei. Die Zeitung hatte es bereits Tage zuvor als besonderes Geschenk für ihre Leser angekündigt. Der türkische Botschafter gibt am morgigen Dienstag im Hotel Hilton zum 77. Jahrestag der Gründung der Türkischen Republik einen Empfang.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar