GAZETELER Rückblick : Ein Erdbeben der Parteiaustritte

Wie türkische Blätter über den Wechsel zweier Abgeordneter berichten.

Ferda Ataman

Dramatische Schlagzeilen prangten auf den türkischen Zeitungen an Berliner Kiosken: „Sie hat keinen Stein auf dem anderen gelassen“, titelte die Hürriyet am Donnerstag zu Bilkay Öneys Austritt aus der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. „Diese Politikerinnen haben Berlin aufgemischt“, hieß es auf der Titelseite des Boulevardblatts Sabah zu Öney und der Abgeordneten Canan Bayram, die eine Woche zuvor von der SPD zu den Grünen gewechselt war. Die liberale Milliyet sprach von einem „Erdbeben der Parteiaustritte in Berlin“.

„Ich bin für 80 Millionen Deutsche und drei Millionen Türken in Deutschland zurückgetreten“, sagte Öney in der Milliyet. Sie habe nicht Teil der Sturzpläne der Grünen-Fraktion gegen die rot-rote Regierung in Berlin werden wollen. Öney spricht in der Sabah von „byzantinischen Spielen“ ihrer Ex-Partei, durch die Parteien wie FDP und CDU gestärkt würden. „Ich hatte keine andere Wahl.“ In der Hürriyet erklärte die 38-Jährige, bei ihrem Austritt gehe es „keineswegs darum, dass eine türkischstämmige Politikerin eifersüchtig ist auf eine andere türkischstämmige Politikerin“. Ferner habe es zwischen SPD und Grünen „keinen Politikertausch“ gegeben. Die bisherige Sprecherin für Migrationspolitik leugnet jede Absprache mit SPD-Funktionären.

Die Sabah wollte von der neuen Grünenpolitikerin Canan Bayram wissen, wie sie den wahrscheinlich bevorstehenden Übertritt von Öney in die SPD bewertet. Zwischen den beiden Frauen gebe es keine Konflikte, so Bayram, doch sie habe kein Verständnis für Öneys neue Aufgeschlossenheit gegenüber der SPD. „Schließlich hat Bilkay wegen ihrer Kritik an der Migrationspolitik der SPD unzählige Anfragen gestellt.“ Sie sei gespannt darauf, ob Öney in Zukunft für die Entscheidungen der Koalition stimmt, gegen die sie früher gewettert habe.

Die Hürriyet beschäftigt sich mit den Vorwürfen von Canan Bayram gegen ihren alten Parteichef, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). In einem Interview wird dieser gefragt, ob er tatsächlich so selbstverliebt und egozentrisch sei, wie sie behauptet. Seine Antwort: „Natürlich nicht.“ Im Übrigen sei Bayrams Austritt aus der SPD kein Problem für das migrationspolitische Image der Partei, so Wowereit. „Die SPD ist auch weiterhin die politische Heimat der Einwanderer.“

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