• GAZETELER Rückblick: „Entschuldigt Euch bei den Aleviten“ Wie türkische Blätter über die Proteste

GAZETELER Rückblick : „Entschuldigt Euch bei den Aleviten“ Wie türkische Blätter über die Proteste

gegen den ARD-Tatort berichten

Suzan Gülfirat

Die Proteste der Aleviten in Deutschland gegen die Tatort-Folge „Wem Ehre gebührt“ beschäftigt die türkischen Zeitungen nun bereits seit einer Woche. Das Thema brachten die Blätter nicht nur auf ihren Titelseiten, sondern füllten damit auch ganze Europaseiten. „Entschuldigt Euch bei den Aleviten“, titelte zum Beispiel die Hürriyet am Freitag, nachdem in Hannover und Berlin mehrere hundert Aleviten auf die Straße gegangen waren. Darunter schrieb die Zeitung: „Auch die Cem-Stiftung und die Ditib in der Türkei kritisieren die ARD aufs Schärfste.“ Die Cem-Stiftung vertritt die alevitische Glaubensgemeinschaft in der Türkei, die Ditib die Sunniten.

Die türkischen Medien bewiesen großes Engagement, ihre Solidarität mit den Aleviten in Deutschland zu demonstrieren. Selbst Tageszeitungen, deren Berichterstattung eher sunnitische Leser anspricht, berichteten über das Thema auf den Titelseiten. „Der Protest gegen die ARD wächst“, titelte zum Beispiel die Türkiye am Sonnabend und bat Kenan Kolat, den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde Deutschland, um Stellungnahme. Auch er kam zu dem Schluss, dass der Film, in dem ein alevitischer, seine Tochter missbrauchender Familienvater der gesuchte Täter ist, diskriminierend sei. Die liberalere Milliyet rief ihre Leser auf, Sonntag an der Großdemonstration in Köln teilzunehmen. „Treffen wir uns morgen in Köln“, lautete die Überschrift auf der Titelseite der Europa-Beilage. Dort demonstrierten gestern rund 15 000 Türken gegen den Film. Die Alevitische Gemeinde in Berlin bot den Türken Busfahrten für 20 Euro an. Wie viele mitgefahren sind, war gestern offen. In Berlin leben etwa 40 000 Aleviten. Suzan Gülfirat

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