GAZETELER Rückblick : Guten Morgen, Hürriyet!

Wie die türkische Zeitung den Tagesspiegel wachrüttelt – und sich über Thilo Sarrazin ärgert

Suzan Gülfirat

Alle türkischen Zeitungen berichten regelmäßig auch darüber, was deutschsprachige Zeitungen berichten. Am Sonnabend fand der Tagesspiegel die besondere Aufmerksamkeit der „Hürriyet.“ „Guten Morgen Tagesspiegel“, titelte die Zeitung. Die freundliche Begrüßung war als Weckruf gemeint, denn nach Ansicht der Hürriyet hatte der Tagesspiegel ein Thema verschlafen. „Am 1. Oktober berichteten wir, dass laut einem Beschluss des Europäischen Gerichtshofes arbeitslose Türken nicht ausgewiesen werden können, und nun werden auch die deutschen Medien wach“, berichtete die „Hürriyet“. Wir geloben Besserung und möchten den Kollegen versprechen, dass wir künftig etwas früher aufstehen, um unsererseits die Hürriyet etwas aufmerksamer zu lesen.

Dass ihrerseits die Türken in Deutschland nicht nur deutschsprachige Zeitungen lesen, sondern auch des mindestens ebenso weit verbreiteten Deutschs der Amtsstuben mächtig werden, forderte in dieser Woche laut „Bild online“ Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin – und löste damit wiederum in türkischen Zeitungen heftige Reaktionen aus. Gemeint hatte Sarrazin, dass Schulabgänger aus türkischen Einwandererfamilien für die Aufnahme in den öffentlichen Dienst dieselben sprachlichen Kenntnisse mitbringen müssten wie deutschstämmige Bewerber.

„Diesmal hat es Senator Sarrazin auf die Türken abgesehen“, empörte sich die Zeitung „Türkiye“, die den Senator mit den Worten zitierte: „In Deutschland wird Deutsch gesprochen, und so soll es auch bleiben.“

In der Freitagsausgabe stellte die „Hürriyet“ schließlich klar, dass sich Sarrazin falsch verstanden fühlte. Ihm sei es darum gegangen zu betonen, dass türkischstämmige Schüler mit Sprachdefiziten keine bevorzugte Behandlung als Bewerber erwarten dürften. Suzan Gülfirat

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