GAZETELER Rückblick : „Kebab-Händler gehen auf die Barrikaden“

Wie die türkische Zeitung Hürriyet über den Ekelfleisch-Skandal und über die Krise in der Imbissbranche in Berlin berichtet.

Suzan Gülfirat

„Dynamit gegen den Döner“, titelte die Hürriyet am Sonnabend. Und darunter stand: „Aufgrund der unverantwortlichen Berichterstattung der Medien steht jetzt die türkische Dönerbranche, die keinerlei Schuld an dem Fall hat, unter Generalverdacht.“

Schnell hat die Hürriyet also auch beim jetzigen Gammelfleisch-Skandal die Schuldigen ausfindig gemacht. Das sind „die deutschen Medien“. Die würden durch ihre undifferenzierte Berichterstattung die ganzen „Dönerleute“ in Schwierigkeiten bringen – es seien aber nicht alle Händler, vielmehr sollten die konkreten Namen der Schuldigen veröffentlicht werden.

Der Anlass für den Bericht am Sonnabend war eine Erklärung des großen Berliner Dönerproduzenten Remzi Kaplan. Auch beim letzten Fleischskandal im vergangenen Jahr hatte er die deutschen Medien für die Misere in seiner Branche verantwortlich gemacht. Und auch dieses Mal hat die Hürriyet sich mit ihm gegen die deutschen Medien verbrüdert.

Am vergangenen Donnerstag forderte Remzi Kaplan in der Hürriyet, dass die Namen der in diesen Fall verwickelten Dönerhändler und die Namen der Firmen veröffentlicht werden sollten. „Sonst werden bei jedem Skandal alle Dönerleute unter Generalverdacht geraten“, sagte er.

Am Sonntag kamen noch mehr Kebabhändler zu Wort. „Empörung bei Dönerleuten“, titelte die Hürriyet. „Der Fleischskandal in Deutschland bringt die türkischen Dönerleute auf die Barrikaden. Sie verlangen, dass der deutsche Händler, der das verdorbene Fleisch verkauft hat, und auch die ’Verräter’, die dieses Fleisch gekauft haben, bestraft werden“, lautete die Unterzeile.

Unter diesem Bericht stand zudem ein anderer Zeitungsartikel, in dem die Hürriyet erneut die „deutschen Medien“ attackierte. „Die deutschen Medien haben den Schuldigen gefunden“, schrieb das Blatt in seiner Überschrift. „Obwohl ein deutscher Händler Schuld ist am Fleischskandal, stürzen sich einige deutsche Medien auf die Dönerleute“, so der Vorwurf in der Unterzeile. Allerdings konnte auch die Hürriyet nichts dazu beitragen, dass Verbraucher keine Bedenken haben müssen, wenn sie einen Döner kaufen möchten. Suzan Gülfirat

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