GAZETELER Rückblick : Letzte Worte der Sterbenden

Der plötzliche Tod der Schülerin Eylem A. aus Berlin beschäftigt auch die türkische Presse. So titelt die Zeitung Hürriyet: "Sie ließ ihr Leben, während sie sagte, ich will nicht sterben" - Die 13-jährige Gymnasiastin war am vergangenen Montag beim Sportunterricht zusammengebrochen und wenig später gestorben.

Suzan Gülfirat

Das Schicksal der türkischstämmigen Schülerin Eylem A. beschäftigte auch die türkischen Zeitungen. Die 13-jährige Gymnasiastin war am vergangenen Montag zu Beginn des Sportunterrichts zusammengebrochen. Das Mädchen starb wenig später aus bislang ungeklärter Ursache im Krankenhaus. „Der Tod holte Eylem während des Sports ein“, titelte die Türkiye auf der Europa-Seite. Der Reporter hatte offenbar mit dem Leiter der Ulrich-von-Hutten-Oberschule Thomas Hungs gesprochen: „Obwohl die Ambulanz sehr schnell zur Schule kam und die Ärzte um das Leben des Mädchen kämpften, musste Hungs erfahren, dass das Mädchen gestorben ist. Eylem sei ein sehr beliebtes, kerngesundes Mädchen gewesen, das entgegen allen Spekulationen nicht gefastet hatte.“

Das Kind starb am vergangenen Montag, der Tagesspiegel berichtete am Mittwoch über das Unglück. Die Artikel in den türkischen Zeitungen erschienen erst am Freitag. Wie die Türkiye zitierten auch alle anderen türkischen Blätter den Leiter des Gymnasiums in Lichtenrade. „Er sagte, dass er die Eltern von Eylem besucht habe, diese aber niemanden sprechen wollten. Er gab an, dass die Ergebnisse der Autopsie zuerst den Eltern mitgeteilt werden“, hieß es beispielsweise in der „Türkiye“. Nur die „Hürriyet“ zog das Unglück auf ihre Titelseite. Dazu druckte das Blatt ein Porträtbild von Eylem A. sowie Foto aus der Schule. Darauf sind zwei Mädchen zu sehen, die in ein Kondolenzbuch schreiben.

"Ich will nicht sterben", seine Eylems letzte Worte gewesen

Der Hürriyet soll der Rektor angeblich Eylems letzte Worte verraten haben. „Ihre letzten Worten lauteten: Ich will nicht sterben“, wird der Schulleiter zitiert. Was die „Hürriyet“ dann auch gleich zur Überschrift verarbeitet hat: „Sie ließ ihr Leben, während sie sagte, ich will nicht sterben“. Die Unterzeile dazu lautete: „In der Hauptstadt Deutschlands Berlin brach die 13-jährige türkische Schülerin Eylem A. während der Vorbereitung zum Sportunterricht zusammen und starb.“ Die Hürriyet konnte von dem Zitat offenbar nicht genug bekommen: Sie übernahm es auch als Überschrift auf der Titelseite der Europa-Beilage und zudem noch in der Unterzeile.

Als einzige türkische Zeitung zeigte die „Milliyet“ auch den Vater des gestorbenen Mädchens. Es sieht so aus, als stehe er vor der Schule seiner Tochter. Das gleiche Foto erschien allerdings bereits am Donnerstag in der „Bild“-Zeitung, aus der die Milliyet auch zitiert. „Vater Kemal A. möchte so schnell wie möglich erfahren, warum seine Tochter gestorben ist. Er gab an, dass seine Tochter nie krank war, ja nicht einmal Kopfschmerzen hatte.“ Jetzt wartet nicht nur der Vater auf das Ergebnis der Autopsie.

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