Berlin : Gazeteler Rückblick: "Merhaba" überlebte alle Stadtmagazine

Suzan Gülfirat

Fünf Jahre hat das deutsch-türkische Stadtmagazin "Merhaba" (Guten Tag) nun überlebt. Das ist ein Rekord. Zwar tauchte in den letzten Jahren in Berlin eine deutsch-türkische Illustrierte nach der anderen auf, ebenso schnell verschwanden sie aber auch wieder vom hartumkämpften Berliner Zeitungsmarkt. Nur die "Merhaba", ein kostenloses, buntes Stadtmagazin, erscheint noch immer alle zwei Wochen in einer Auflage von 10 000. Am 15. Juni wird die nächste Ausgabe dort ausgelegt, wo sich junge Berliner Türken aufhalten. Zum Beispiel in Friseurläden, in Cafés, Einkaufsläden, in Musikgeschäften und in T-Punkt-Läden. Wie immer wird das Magazin im Nu vergriffen sein. Was ist das Geheimnis von "Merhaba?"

In der Zeitschrift gibt es nur Berichte, Reportagen, Veranstaltungshinweise und Sportnachrichten aus dem türkischen Berlin mit unzähligen Fotos, auf denen unzählige Berliner Türken zu sehen sind. Die "Merhaba"-Reporter scheinen überall zu sein. Vielleicht erkenne ich jemanden, habe was verpasst, vielleicht bin ich auch auf einem der Fotos zu sehen, denkt sich der Leser. Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe ist beispielsweise Davut (David) Güloglu zu sehen. Den "Ricky Martin der Schwarzmeerküste" nennt ihn das Magazin. Die ganze Seite 10 und 11 ist seinem Konzert im vergangenen Monat in Berlin gewidmet. Auf 16 Bildern sind Güloglus Aktivitäten in der deutschen Hauptstadt zu sehen. Auf einigen Fotos steht der Star zum Beispiel vor dem "Altay Musikgeschäft" in der Potsdamer Straße in Schöneberg, wo er, umringt von seinen jungen Fans, Autogramme gibt.

Über eine Veranstaltung des türkischen Generalkonsulats wird genauso im Nachrichtenstil berichtet, wie über die Regionalkonferenz der CDU-Landesverbände zum Thema "Zuwanderung und Integrationn" und die Konferenz "Die EU, die Türkei und die kurdische Realität". Der Leser erfährt auch die türkischen Charts: Tarkan (1), Mirkelam (2) und Tarik (3) sind an der Spitze der "Pop 10." Davut Güroglu von der Titelseite ist demnach auf Platz 3 der Volksmusikcharts. Ebenso ist der Spielplan des türkischen Theaters "Tiyatrom", in der Alte-Jacob-Straße in Kreuzberg drin, verbunden mit einer Kartenverlosung.

Der kleine Deniz schreibt in seiner Kolumne "Kids Corner" auf Deutsch: Glückwunsch für Bayern München zu ihrem Sieg. Aber ich wollte, dass Schalke den Pokal holt." Dann folgen Bilder und nochmals Bilder von Kindern. Lehrerin Ilter Gözkaya-Holzhey gibt auf einer anderen Seite auf Deutsch Tipps, "welche Sprache mein Kind zu Hause sprechen soll."

"Merhaba" ist ein echtes Stadtmagazin. Das lange Leben haben das Farbmagazin und die Mitabeiter dem türkischen Concept-Verlag in der Bülowstraße in Schöneberg zu verdanken, wo auch das türkische Branchenbuch jedes Jahr erscheint. Zwar hat die Zeitschrift Werbekunden wie Renault, die Telekom und die Zweite Hand, aber: "Die Anzeigen reichen für die Finanzierung nicht aus", sagt einer der Chefredakteure von Merhaba, Mehmet Zagli. Dennoch finaziert und druckt der Concept-Verlag das Magazin, um es zur Eigenwerbung zu nutzen, sagt ein Concept-Mitarbeiter.

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