GAZETELER Rückblick : „Nahe dran an einer Katastrophe“

Wie türkische Blätter über den Brand in Neukölln berichteten

Suzan Gülfirat

Gestern starb nach einem Wohnungsbrand in der Neuköllner Karl-Marx- Straße ein zweijähriger Junge. Er war das Kind arabischer Eltern. Dennoch fanden türkische Zeitungen einen Weg, um den Brand zu einer Nachricht zu machen. Die Tageszeitung „Türkiye“ zitierte einen türkischen Bewohner: „Nachdem wir aus den Fenstern heraus gerettet werden mussten, erfuhren wir, dass sich die arabischen Nachbarn in Sicherheit gebracht hatten“. Größer berichtete die „Türkiye“ über den Brandanschlag in Baden-Württemberg. In einem fast ausschließlich von Türken bewohnten Haus in Backnang hatten am Sonnabend ein oder mehrere Täter einen Kinderwagen angezündet. Zwei Bewohnerinnen wurden leicht verletzt. Im Hinterhof des Gebäudes wurden rechtsradikale Parolen gesprüht – allerdings mit Rechtschreibfehlern und falsch gemalten Hakenkreuzen.

Auch die türkischsprachige Internetzeitung ha-ber.com, die in Berlin produziert wird, berichtete über beide Brände. Sie zeigte ein Foto von der abgeriegelten Karl-Marx-Straße mit folgender Überschrift: „Nahe dran an einer Katastrophe. In Baden-Württemberg ist ein von 13 türkischen Familien bewohntes Haus in Brand gesteckt worden.“ Andere Zeitungen gingen nur auf den Brandanschlag in Backnang ein. „Wieder Deutschland, wieder Brandstiftung“, titelte die „Milliyet“.

Die „Hürriyet“ formulierte mit Hinblick auf die Rechtschreibfehler in den rechtsradikalen Parolen vorsichtiger: „Der seltsamste Brand in Deutschland.“ Ein Polizeisprecher sagte gestern, ein fremdenfeindlicher Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden. Seit der Feuerkatastrophe in Ludwigshafen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über gewöhnliche Brände und hin und wieder auch Anschläge berichtet wird. Suzan Gülfirat

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