Gazeteler Rückblick : Petersilie gegen üble Gerüche

Wie türkische Blätter Ernährungstipps für den Ramadan geben.

Suzan Gülfirat

Vor einer Woche begann die muslimische Fastenzeit Ramadan (türkisch Ramazan). Seitdem dürfen die Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken. Einige türkische Zeitungen bringen deshalb täglich eine Sonderseite zum Thema.

Die „Türkiye“ druckt zum Beispiel täglich ein Rezept für eine Süßspeise, ein Gebet und eine Kolumne mit dem Titel „Fasten und Gesundheit“. Angeblich senke der Ramadan den Blutdruck und das Herz feiere „Freudenfeste“. Die „Türkiye“ hat überwiegend religiöse Leser und hält die Sitten des Ramadan hoch. Die Berichterstattung – nicht nur zu diesem Thema – ist eher emotional als sachlich, garniert mit erbaulichen Zeichnungen.

Die „Hürriyet“ andererseits zeigt auf ihrer Ramadan-Schwerpunktseite auch mal eine Bauchtänzerin. Nicht jeder Türke, der diese Zeitung liest, fastet schließlich. Außerdem lässt die „Hürriyet“ zum Thema Ramadan nur Mediziner zu Wort kommen. Ein Experte empfiehlt folgende Regel für das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang. „Beginnen Sie so, als würden Sie frühstücken. Um den Magen zu schonen, sollten sie erst nach einer Stunde schwerere Kost zu sich nehmen.“ Ein Hals-, Nasen-, Ohrenarzt weist darauf hin, dass „während des Ramadans der Mund stark austrocknet. Bakterien bilden sich und verursachen Mundgeruch, da kein Speichel vorhanden ist.“ Sein Ratschlag lautet daher: „Essen Sie Joghurt, kauen Sie auf Petersilie und trinken Sie grünen Tee.“ Das halte den Mund- und Rachenbereich gesund und rein.

Ramadan zu halten, ist für Muslime aber nicht nur ein religiöses Gebot. In dieser Zeit kommt die Familie zusammen, und Bekanntschaften werden aufgefrischt, indem man einander zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang einlädt, und zwar durchaus auch Freunde, die nicht fasten oder einer anderen Religion angehören.

Das wiederum brachte einige Veranstalter auf die Idee, auf einer Freifläche neben der O2-Arena an der Mühlenstraße ein Ramadan-Fest zu organisieren. In der U-Bahn hängen dafür grüne Werbeplakate auf Deutsch. Auch die Internetseite (ramazan-berlin.de) ist grün und zweisprachig. Die Eröffnung der Festes sollte eigentlich am vergangenen Montag, dem ersten Fastentag, sein, aber es regnete es so heftig, dass die Feier abgesagt werden musste. Erst seit Donnerstag und noch bis zum 29. September findet nun Programm statt, sofern es nicht wieder in Strömen gießt. Die Festlichkeit ein kleiner orientalischer Basar mit einer Bühne. Es gibt Schmuck-, Bekleidungs- und Gastronomiestände – die auch vor Sonnenuntergang Speisen anbieten. Die Veranstalter sagen, sie hätten sich die Weihnachtsmärkte der Christen zum Vorbild genommen. Suzan Gülfirat

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