• GAZETELER Rückblick: Politikerin setzt sich für Cem ein Wie türkische Blätter über

GAZETELER Rückblick : Politikerin setzt sich für Cem ein Wie türkische Blätter über

sexuellen Missbrauchsfall berichten

Suzan Gülfirat

Der Fall des siebenjährigen Cem B., der in Berlin vom Unterricht suspendiert wurde, weil er eine Mitschülerin sexuell belästigt haben soll, macht in der türkischen Presse weiterhin Schlagzeilen. „Türkische Politiker unterstützen Cem“, schrieb die Hürriyet am Sonntag auf ihrer Titelseite. Hintergrund des Berichtes ist der Besuch der Familie B. bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün. „Die seit 25 Jahren als Psychologin tätige Politikerin bewertet sowohl die Strafe als auch die Einschätzung der Tat als sexuelle Belästigung als nicht angemessen“, schrieb Hürriyet. Die Abgeordnete wolle eine Stellungnahme der Schule einfordern. Der Vater der betroffenen Schülerin hatte dem Tagesspiegel erzählt, dass seine Tochter über Schmerzen im Intimbereich geklagt habe. Sie habe angegeben, dass vier Jungen aus ihrer Klasse sie festgehalten hätten und der Mitschüler Cem B. dann versucht habe, mit dem Finger in sie einzudringen.

So detailliert berichtete bisher nur die Tageszeitung Sabah. In der Hürriyet ist nur die Rede vom „Verdacht des sexuellen Missbrauchs“. Am türkischen Schamgefühl kann das nicht liegen, weil die Hürriyet auch aus dem Aussageprotokoll der 13-jährigen, englischen Schülerin zitiert hatte. Der 17-jährige Marco W. aus Deutschland sitzt deshalb im türkischen Gefängnis. „Er hat sich an mir gerieben. Dann habe ich den Samenerguss gespürt“, zitierte sie die Hürriyet. Ihre Eltern haben Marco W. deshalb angezeigt.

Außer Lale Akgün hat sich auch die familienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ekin Deligöz, zum Fall des Cem B. aus Berlin geäußert. „In Deutschland wird immer noch zwischen deutschen und ausländischen Kindern unterschieden“, sagte die Politikerin der Hürriyet. Zudem kündigte der Abgeordnete Özcan Mutlu (Grüne), an, dass er das Thema ins Abgeordnetenhaus tragen wolle. „Offenbar hat der Schulleiter mehr oder minder unbewusst eine Parallele zu Marco gezogen“, sagte er der Hürriyet. Dabei hatte zuvor die Hürriyet diesen Vergleich bemüht. „Bei Marco ist es ein Flirt, bei Cem ist es sexuelle Nötigung“, titelte das Blatt. Und anders als deutschsprachige Zeitungen nennen die türkischen Blätter den richtigen Namen von Cem. Wenigstens machen sie das Gesicht des Jungen unkenntlich. Suzan Gülfirat

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