GAZETELER Rückblick : Polizisten ohne Nummern

Wie die türkischen Zeitungen über den Einsatz der Polizei am 1. Mai berichten

Suzan Gülfirat

Auch in Istanbul wollten die Gewerkschaften am 1. Mai auf die Straße gehen. Doch ihre nicht genehmigte Demonstration endete in schweren Ausschreitungen. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt, eine gleiche Zahl Demonstranten wurde festgenommen, 30 000 Polizisten waren im Einsatz. Seit Freitag diskutiert die Türkei nun diesen Einsatz. Die meisten Zeitungen gaben der Regierung und der Polizei die Schuld an den Ausschreitungen. Auch auf den Titelseiten der türkischen Blätter in Deutschland gab es beinahe nur dieses Thema. Über die Ereignisse in Berlin berichteten die Zeitungen ebenfalls, wenn auch nur das Nötigste. „1.-Mai-Schock für Direktor“, schrieb zum Beispiel die „Türkiye“ am Sonnabend. Polizeipräsident Dieter Glietsch war am Rande des Aufzugs in Kreuzberg von Demonstranten bedrängt worden. In der Unterzeile schrieb die Zeitung: „Kreuzberg blieb friedlich.“ Am selben Tag zeigte die „Hürriyet“ ein Foto mit Berliner Polizisten auf der Titelseite, allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen in Berlin. „Keine Dienstnummer, keine Verantwortung“, titelte die „Hürriyet“ dazu. Damit verwies die Zeitung drauf, dass Dienstnummern der Polizisten in Istanbul im Einsatz nicht, wie anderswo, erkennbar sind. „Behauptet wird, dass die Gasmasken, die die Polizei am 1. Mai trug, den Boden für die unverhältnismäßige Gewalt geebnet hätten“, hieß es in der Unterzeile. Polizisten in Istanbul trugen diese Masken, um sich vor dem von ihnen verwendeten Reizgas zu schützen. Ein Foto aus Berlin – eines aus Istanbul: Auf dem Berliner Foto ist deutlich zu erkennen, dass die Einsatzkräfte der Berliner Polizei Nummern auf ihren Helmen tragen. „Hürriyet“ plädierte deshalb dafür, dass die Polizisten in Istanbul Dienstnummern auf dem Rücken der Uniformjacke tragen sollten. Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

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