Gazeteler Rückblick : Schelte für den "Haustyrann“

Wie türkische Blätter über Sarrazins provokante Äußerungen und einen Überfall in Marzahn berichten, bei dem ein türkisches Mädchen geschlagen und getreten worden war.

Suzan Gülfirat

Der Angriff auf ein türkisches Mädchen am Mittwoch dieser Woche beschäftigte zum Wochenende auch die türkischen Zeitungen. Bereits die Überschriften waren frei von jedem Zweifel am Motiv der beiden mutmaßlichen Täterinnen. „Rassistischer Angriff auf türkisches Mädchen“, vermeldete die „Milliyet“ am Freitag. Die „Hürriyet“ ging noch weiter. „Naziangriff auf türkisches Mädchen in Berlin“, lautete ihre Titelzeile.

Eine 14-jährige Türkin in Marzahn war von zwei Frauen zunächst rassistisch beschimpft, dann geschlagen, getreten und an den Haaren gezerrt worden sein. Polizisten nahmen die Frauen im Alter von 26 und 35 Jahren fest. Jetzt ermittelt der Staatsschutz wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und rassistischer Bedrohung.

Die „Türkiye“ berichtete sogar mit einem Anriss auf der Titelseite: „Angriff auf türkisches Mädchen in Berlin.“ Auf der dritten Seite wurden die Täterinnen als „Verrückte“ bezeichnet. In den Unterzeilen hieß es: „Zwei Rassistinnen griffen ein türkische Mädchen an, die im Bezirk spazieren ging. Die Polizei nahm die Täterinnen fest.“

Ein weiteres Thema für die türkischen Blätter waren die provokanten Äußerungen von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). In der „Türkiye“ hieß es dazu: „Wieder hat der Senator Worte von sich gegeben, die sehr ärgerlich sind.“ Sarrazin hatte mit Blick auf die hohen Energiekosten empfohlen, die Heizung zu drosseln und stattdessen einen Pullover zu tragen. Die „Türkiye“ nahm die Debatte zum Anlass für ein Wortspiel: „Der Kazak-Senator“ wurde Sarrazin genannt. „Kazak“ ist das türkische Wort für Pullover, es bedeutet aber auch „Haustyrann“. 

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