GAZETELER Rückblick : Schwierige Integration

Wie türkische Blätter über eine Diskussion mit Berliner Journalisten berichten

Suzan Gülfirat

Wenn im Abgeordnetenhaus von Berlin Themen diskutiert werden, die auch die Nutzer von türkischen Medien interessiert, kommen viele türkische Journalisten. Das war am vergangenen Dienstag der Fall. „Medien und Integration“ lautete der Titel einer Podiumsdiskussion und viele türkische Berichterstatter kamen. Am Donnerstag erschienen die Artikel – die Kritiken waren heftig. Die „Türkiye“ resümierte, dass die Diskussion am Thema vorbeiging. Im Text hieß es: „Während der Diskussion waren die Teilnehmer nur damit beschäftigt, die eigenen Medien zu verteidigen.“

Gastgeber waren das Mitglied der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Kurt Wansner, das Deutsch-Türkische Forum der CDU und die Türkisch-Deutsche Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg (TDU). Auf dem Podium saßen Joachim Fahrun („Berliner Morgenpost“), Christine Richter („Berliner Zeitung“), Ahmet Külahci („Hürriyet“) und der neue Verantwortliche für die Europa-Ausgabe , Miktad Karalioglu („Sabah“). Selbst die „Hürriyet“ und die „Sabah“ wussten nicht so recht, was sie berichten sollen. „Diskussion über Medien und Integration“, lautete die Überschrift der „Hürriyet“. In der Unterzeile des kurzen Berichtes darunter hieß es: „Bei der Veranstaltung zum Thema „Medien und Integration“ im Abgeordnetenhaus von Berlin hat der Berlin-Verantwortliche der Hürriyet, Ahmet Külahci, gesagt, dass die deutschen Medien meistens über die negativen Seiten der Migranten in diesem Land berichten.“ Es lebten auch zahlreiche erfolgreiche Migranten in diesem Land, so Külahci. Zum Schluss wurden auch die deutschen Journalisten mit wenigen Zeilen bedacht: „Die Vertreter der Berliner Morgenpost und der Berliner Zeitung sagten, dass die Kritik nicht zutreffe.“

Die „Sabah“ hob hervor, was der eigene Chef gesagt hatte. Dieser hatte die türkischen Medien in Schutz genommen, nachdem über ihre Rolle bei der Integration gesprochen worden war. Auch die Internetzeitung „ha-ber.com“ war der Meinung, dass bei der Veranstaltung nichts herausgekommen war. Von Anfang an stand die Diskussion unter keinem glücklichen Stern. Kemal Ertekin ( TDU) berichtete über eine Umfrage der Uni Gießen, nach der 50 Prozent der Deutschen ausländerfeindlich seien, und fragte: „Was können beide Seite dagegen tun?“ Die deutschen Journalisten kamen in die Defensive, und die türkischen Vertreter konnten sich künstlich aufregen. „Ich wusste gar nicht, dass nicht nur der Verfassungsschutz türkische Zeitungen liest, sondern auch deutsche Journalisten“, beklagte sich Hürriyet-Vertreter Külahci, nachdem Christine Richter von der Berliner Zeitung den Gazeteler-Rückblick des Tagesspiegels gelobt hatte. Suzan Gülfirat

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