Gazeteler Rückblick : Sehnsucht nach heiligem Boden

Wie türkische Zeitungen über das Opferfest und die Mekka-Wallfahrt berichteten.

Suzan Gülfirat

Die Muslime in Berlin feierten in der vergangenen Woche das dreitägige Opferfest. Jede Zeitung wünschte ihren Lesern deshalb am Montag auf ihren Titelseiten ein „Frohes Fest“. An diesem Tag überbrachte die „Hürriyet“ nur die Festtagsbotschaft der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer an die türkischen Muslime in Deutschland. „Böhmer gratuliert auf Türkisch“, betonte dabei die „Hürriyet“ in der Überschrift.

„An diesem Festtag fühle ich mich noch mehr in Ihrer Nähe. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein frohes Fest“, zitierte die „Hürriyet“ aus Böhmers Mitteilung. Wer es sich finanziell leisten kann, muss zum Opferfest ein für Muslime erlaubtes Tier schächten und ein Teil des Fleisches an die Armen verteilen.

Am Mittwoch berichtete die „Hürriyet“, dass auch der Regierende Bürgermeister auf Türkisch gratuliert habe. Im Gegenzug wünschte die „Hürriyet“ in der Überschrift „Iyi Bayramlar, Wowi“ (frohes Fest). „Freud und Leid sind beieinander“, titelte die „Türkiye“ am Mittwoch zu einer Luftaufnahme von der Wallfahrtsstadt Mekka. In den Unterzeilen erinnerte das Blatt an die Gefühle, mit der jeder Pilger in sein Heimatland zurückkehren werde. „Die Hadsch-Reisenden freuen sich, dass sie ihre religiöse Pflicht erfüllt haben, aber gleichzeitig sind sie sehr traurig, weil sie heiligen Boden verlassen müssen.“ Allerdings ging es in dem Artikel nicht um die Pilger aus Berlin, sondern um die aus der Türkei. „Die erste Gruppe aus der Türkei kommt morgen in Istanbul an“, berichtete die „Türkiye“.

Die islamische Pilgerzeit beginnt kurz vor dem Opferfest. Seit Mittwoch ist die weltweit größte Wallfahrt zu Ende, aber noch sind viele Muslime in Saudi-Arabien. Auch die Muslime aus Berlin werden in den kommenden Tage nach und nach zurückkehren. Jahr für Jahr nehmen rund 1000 Gläubige aus der deutschen Hauptstadt an der Pilgerfahrt teil. Während der Wallfahrt nach Mekka und Mina schlachten die Pilger ein Schaf, umkreisen die Kaaba und beenden die „Hadsch“ mit der symbolischen Steinigung des Teufels. Ziel dieser Reise ist die religiöse Reinigung der muslimischen Seelen. Wer solch eine „Hadsch“ hinter sich hat, muss sich noch strenger als zuvor an die Gebote des Islams halten. Sonst muss er die Reise noch einmal antreten. Was die Regeln genau besagen, ist allerdings Auslegungssache.

In Berlin organisieren in der Regel mehrere Moscheevereine die Pilgerfahrt. Alleine zu reisen, wäre aufgrund des Massenandrangs an den heiligen Stätten viel zu gefährlich. Die Hadsch ist eine der fünf Säulen des Islams. Jeder gesunde Muslim, der es sich finanziell leisten kann, ist verpflichtet, mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen.

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