Berlin : Gazeteler Rückblick: "Sie sind ein ehrloser Mann"

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Türkische Journalisten, die für deutsche Medien arbeiten, haben es manchmal nicht einfach. Vor allem konservative Türken erwarten Loyalität gegenüber ihrem Kulturkreis. Auf der deutschen Seite sind es notorische Ausländerfeinde, die türkischen Journalisten das Leben schwer machen wollen. Wer die manchmal schwierige Balance zwischen den Empfindlichkeiten nicht schafft, bekommt zuweilen die geballte Wut der einen oder anderen Seite zu spüren.

Zumindest berichtete die Hürriyet am Dienstag über eine "lautstarke Diskussion" zwischen dem Reiseunternehmer Vural Öger und dem Journalisten Hamdi Gökbulut, der für die "Bild"-Zeitung überwiegend über Türkei-Themen schreibt. Auf einem Foto zu dem Text mit der Überschrift "Journalisten-Öger-Streit" sind die beiden Männer auf der Tourismus-Messe in Hamburg zu sehen: Öger gestikuliert mit der rechten Hand, Gökbulut guckt verblüfft.

Der türkische Journalist berichtet zum Beispiel zusammen mit deutschen Autoren über die 18-jährige Andrea aus Berlin, die im Flughafen von Izmir mit sechs Kilo Heroin erwischt wurde. Doch Vural Öger habe sich mehr über einen Artikel vom 3. Januar aufgeregt, berichtete das türkische Boulevardblatt. In dem Artikel "Das Silvesterdebakel" hatte ein deutsches Ehepaar, das seine Reise bei Öger-Tours gebucht hatte, von ihrem Urlaubsärger in Antalya erzählt. "Bild" hatte die Seite entsprechend bebildert.

Deshalb habe Vural Öger vor zahlreichen Journalisten und Gästen aus der Türkei Hamdi Gökbulut beschimpft, berichtete Hürriyet. "Sie haben aus einer Mücke einen Elefanten gemacht und damit die Türkei verunglimpft. Wir bringen 800 000 Touristen jährlich in die Türkei. Mit einer einzigen Beschwerde eines Touristen haben Sie die halbe Seite einer deutschen Zeitung gefüllt. Sie sind ein ehrloser Mann", zitierte ihn das Blatt, obwohl unter dem Namen von Hamdi Gökbulut über dem "Bild"-Text auch ein deutscher Name stand. Gökbulut habe eine Anzeige wegen Beleidung gegen Öger angekündigt, weil dieser seine Worte nicht zurücknehmen wolle, hieß es in dem Hürriyet-Text.

Gelobt wurde dagegen Udo Lindenberg. Die Hürriyet titelte "Tesekkürler Udo" (Danke Udo), wegen seines Konzerts "Rock gegen Rechts" vorletzte Woche. Auch der ehemalige Bürgermeister von Kreuzberg und jetzige Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (B90/Grüne), schnitt relativ gut ab. Er hat am Dienstag in der Tageszeitung Türkiye grünes Licht für den Bau einer neuen Moschee in der Skalitzer Straße - da wo jetzt noch die Mevlane Moschee steht - gegeben. "Ich bin nicht gegen die Moschee", wurde Schulz in der Überschrift zitiert. Im Spätsommer könne mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der Baustadtrat ist allerdings laut Türkiye gegen die ursprüngliche Version der Planer. Ihre Vision zeigte Türkiye in Form einer Zeichnung: Ein überdimensionaler orientalischer Bau mit mehreren Stockwerken, einer runden Kuppel und zwei Minaretten inmitten der Kiezbauten. Aus Sicherheitsgründen könne diese Moschee nicht höher als zwei Stockwerke sein und außerdem müsse die Fassade optisch in die Umgebung passen, durfte Schulz sagen, ohne von Türkiye kritisiert zu werden.

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