• Gazeteler Rückblick: "Tod eines Auslandstürken" und andere Polizeinachrichten aus der Türkei

Berlin : Gazeteler Rückblick: "Tod eines Auslandstürken" und andere Polizeinachrichten aus der Türkei

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Wenn türkische Zeitungen regelmäßig über verstorbene Menschen berichten würden, deren Leichen wochenlang unentdeckt in einer Wohnung in der Türkei lägen, würden die türkischen Leser wahrscheinlich das Ende der Welt befürchten. Nicht selten geben Polizeinachrichten auch das soziale Bild einer Gesellschaft wieder. Umgekehrt würden auch Leser von deutschen Zeitungen erschrecken, wenn der eine oder andere Vorfall aus türkischen Zeitungen in ihrem Kulturkreis passieren würde.

Am Dienstag zum Beispiel berichtete die Hürriyet über eine Mutter, die ihre Tochter einen Tag vor deren Hochzeitsfeier erstochen habe. Die kurze Polizeinachricht stammt aus der Stadt Zoguldak an westlichen Schwarzmeerküste. Die 16-jährige Tugba habe unbedingt einen 27-jährigen vorbestraften Mann Namens Mustafa heiraten wollen, der zudem geschieden sei. "Am Donnerstag hat Tugba mit Mustafa das elterliche Haus verlassen", heißt es etwas unverständlich im Text. Das kann auch heißen, dass sie weggelaufen ist. Vorletzte Woche Freitag hätten die beiden schließlich mit Einwilligung der Mutter standesamtlich geheiratet. Die Mutter habe das allerdings nicht verkraften können, weshalb sie die Tochter wegen einer "Aussteuerangelegenheit" zu sich gelockt und dann mit einem Brotmesser erstochen habe.

In dem Haupttext auf der gleichen Seite geht es um Süleyman K., der die Schwiegertochter seines Onkels erstochen habe, weil der Täter die Frau für sein Beziehungsdrama verantwortlich gemacht habe. Der Vorfall ereignete sich laut Hürriyet im Istanbuler Stadtteil Kadiköy, dem Partnerbezirk vom Berliner Stadtteil Kreuzberg. "Sie ist aufgrund der sexuellen Praktiken im Bett weggelaufen", wird die noch lebende Ehefrau Meryem K. in der Überschrift zitiert. Die Putzfrau habe außerdem ausgesagt, dass ihr gewalttätiger Ehemann nicht gearbeitet habe und einmal sogar das neugeborene Baby mit so einer heftigen Wucht auf den Boden geworfen habe, dass sie das Kind wiederbeleben musste.

Als er dann auch noch regelmäßig fremde Frauen mit ins Ehebett gebracht habe, sei sie zu Verwadten nach Adana (an der südlichen Mittelmeerküste) gegangen. Süleyman K. sagte laut Hürriyet bei seiner ersten Aussage, er habe sich nur verteidigt, weil die Schwiegertochter des Onkels und ihr Mann auf ihn losgegangen seien. Bei der Gerichtsverhandlung habe die Polizei den Täter vor wütenden Familienmitgliedern in Sicherheit bringen müssen, die allesamt einen Nervenzusammenbruch erlitten hätten.

Kein Mordfall, aber ein tragischer Todesfall ereignete sich laut der Milliyet vom Dienstag an der östlichen Schwarzmeerküste in einer Bergregion. Dort benutzten die Menschen eine 350 Meter lange Seilbahn, um von einem Dorf zum anderen zu gelangen. Ein Foto zu dem Text zeigt ein Brett mit einer nur wenige Zentimeter hohen Umrandung an einer Seilbahn, in der Schulkinder sitzen. Zwei Vierjährige hätten sich vergangene Woche Montag zum Spielen auf solch ein Brett gesetzt, woraufhin das Befestigungsseil gerissen sei. Mit voller Wucht sei die Vorrichtung am anderen Ende gegen einen Betonpfeiler gerast. Einem der Mädchen sei das Genick gebrochen, ihre Cousine liege mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Ein anderer Todesfall in der Tageszeitung Türkiye machte ebenfalls nachdenklich. Der 60-jährige Mehmet Basak, der vor 18 Monaten für immer aus Deutschland in seine Heimat zurückgekehrt sei, habe sich in seinem Auto mit einem Jagdgewehr das Leben genommen. "Tod eines Auslandstürken", lautete die Überschrift. Seine Freunde hätten ausgesagt, dass der Mann schon lange in psychologischer Behandlung gewesen sei.

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