Berlin : Gazeteler Rückblick: War türkischer Justizminister in Berlin in Lebensgefahr?

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Die türkischen Zeitungen empörten sich am Donnerstag und Freitag auf ihren Titelseiten über einen angeblichen "Sicherheitsskandal" während des Berlin-Besuches des türkischen Justizministers Hikmet Sami Türk. Er war am Montag für eine zweitägige Visite nach Berlin gekommen, um sich mit seiner Amtskollegin Herta Däubler-Gmelin zu treffen. Unter anderem besuchte er zusammen mit ihr die Ausstellung "Siegel des Sultans" im Guggenheim-Museum. Zwei Mitglieder der militanten verbotenen Vereinigung "Revolutionäre Volksbefreiungsfront" hätten sich dem Justizminister während des Rundgangs trotz der Anwesenheit von zahlreichen Sicherheitsbeamten bis auf zwei Meter nähern können, hieß es. Die beiden Männern gehörten einer Berliner Gruppe an, die sich derzeit aus Solidarität mit den rebellierenden Insassen eines Istanbuler Gefängnisses im Hungerstreik befänden.

"Was wäre gewesen, wenn sie bewaffnet gewesen wären", fragte empört ein Kommentator der Tageszeitung Türkiye. "Statt die Journalisten bei ihrer Arbeit zu behindern, sollten sie (die Sicherheitsbeamten) ihren Verstand besser dafür aufheben, um die Terroristen von solchen Taten abzuhalten", beschwerte er sich. Und weiter: "Die Sicherheitsvorkehrungen für türkische Politiker zeigen, wieviel den Behörden unser Leben wert ist." Die Boulevardzeitung Hürriyet berichtete, dass die Männer Plakate hochgehalten und gerufen hätten: "Es lebe der Hungerstreik. Sami Türk ist ein Mörder."

Zwischen den Zeilen konnte man auch lesen, dass Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) die beiden unbewaffneten Männer sehr schnell überwältigt haben. Ebenso ging in den Texten unter, dass die BKA-Beamten die Räume vor dem Eintreffen der Politiker nach verdächtigen Personen überprüft haben und eine 20-köpfige Mannschaft sogar zum Schutz der Politiker einen Ring um sie gebildet hat. Etwas seltsam scheint dieser Vorfall trotzdem zu sein. Die Polizeipressestelle wusste zumindest bis Freitag nichts davon. "Wir werden von unseren Kollegen nicht über jedes Ereignis in Berlin informiert", sagte ein Sprecher.

Auf der gleichen Seite, auf der die Milliyet von dem "Polizei skandal¤" (Polizeiskandal) berichtete, erschien ein Text über den Besuch von Hikmet Sami Türk in der Justizvollzugsanstalt Tegel. Bei diesem Text wird deutlich, wieso sich der Türkiye-Kommentator so über die Sicherheitsmänner aufgeregt hat. "Die Straßen wurden abgesperrt und ein Hubschrauber überflog die Route und das Gebiet rund um das Gefängnis", hieß es in dem Milliyet-Text. Türkischen Journalisten sei der Zutritt verwehrt worden. Die Überschrift zu dem Text klang deshalb nach Rache: "Türk gefielen die Zellen nicht." "Da sind ja unsere Zellen vom F-Typ besser", wurde der Justizminister zitiert. Damit meint Türk das neue Zellensystem, weswegen es die Hungerstreiks und die Gefangenenaufstände in Istanbul gibt. Die Häflinge wehren sich gegen ihre Verlegung aus den bisherigen Schlafsälen in diese Zellen für ein bis zwei Gefangenen, weil sie befürchten, dass sie dort gefoltert werden.

Die Hürriyet berichtete außerdem am Donnerstag, dass der deutsche Generalkonsul in der Türkei, Manfred Unger, die Bild-Zeitung und den Fernsehsender RTL der falschen Berichterstattung beschuldigt habe. Die Berlinerin Andrea R., der wegen Heroinschmuggels eine 15-jährige Haftstrafe in der Türkei droht, werde entgegen den Berichten der beiden Medien gut behandelt. "Die Gefängnisse in der Türkei sind nicht anders als die in Deutschland", wurde Unger zitiert.

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