Berlin : Gazeteler Rückblick: Warum Miss Turkey im Finale versagte

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am Sonnabend zeigte sich die Hürriyet enttäuscht. "Hätte sie Englisch gekonnt, wäre sie Schönheitskönigin geworden", verlautbarte das Blatt auf seiner Titelseite. Denn bei der Miss-World-Wahl in London am Donnerstag war auch eine Türkin dabei. Letztlich belegte sie den dritten Platz. Leider konnte sie kein Englisch und antwortete deshalb beim Interview auf Türkisch. Nur deshalb, meinte das auflagenstarke Boulevardblatt, sei nicht sie, sondern Miss India Miss World geworden.

Am Dienstag berichtete die Hürriyet über einen anderen Landsmann, von dem sie ebenfalls enttäuscht war. Wenn auch in diesem Fall von einem "Loskaufgeld-Skandal" die Rede war. Die Zeitung behauptete, dass die Tageszeitung Sabah in ihrem Frankfurt-Büro einen Emrah D. als Mitarbeiter angibt, der in Wirklichkeit in der Türkei lebe. Emrah D. mache das, um in den Genuss zu kommen, sich vom Militärdienst loskaufen zu können. Diese Möglichkeit haben in der Regel nur türkische Männer, die im Ausland leben. Sie brauchen so nur für einen Monat den Militärdienst leisten. Die wehrdienstpflichtigen Männer in der Türkei müssen dagegen 18 Monate Kriegsdienst leisten. Das Pikante dabei ist laut Hürriyet, dass Emrah D. als Sänger nationalistischer Texte bekannt sei.

Aber auch aus Berlin gab es allerhand Interessantes zu lesen. Die Ausstellung des Kreuzberg-Museums über türkische Zuwanderer "Wir waren die Ersten" brachte es zum Beispiel auf die Titelseite der Tageszeitung Türkiye. Und nicht nur das. Sie löste auch gleichzeitig eine kleine Revolution unter Deutschlandtürken aus. "Die Fremde ist nun Heimat", hieß es in riesigen Buchstaben auf der Titelseite. An diesem Tag wurde der Zeitung die monatliche Berlin-Beilage beigefügt. Sie enhält vor allem Reportagen aus dem türkischen Leben in der Hauptstadt. Dieses Mal wurde ein Aufruf der Ausländerbeauftragten von Schöneberg, Emine Demirbüken, zum Aufmacher der ersten Seite. Die türkischen Vereine müssten zusammenhalten, weil sie die deutsche Seite sonst nicht ernst nehmen würde.

Auf der dritten Seite baten die Mitglieder der türkischen Taxifahrervereinigung "die Verantwortlichen" um die Lösung ihrer Probleme. "Wenn wir uns dem Flughafen Schönefeld nähern, heißt es, da kommt die türkische Mafia", wurden sie zitiert. Ein Taxifahrer machte die türkischen Kollegen auf ihr Sprachproblem aufmerksam: "Natürlich kann dann ein Fahrgast gegenüber dem ausländischen Fahrer eine Miene aufsetzen. Und deutsche Kollegen können Sätze sagen wie: geh nach Istanbul und verkauf Döner." Auf der gleichen Seite war eine Meldung darüber, dass auch die türkischstämmigen Friseure sich vereinigen wollen.

Auf Seite 7 kamen die "Kemalisten" dran. "Geschlossenheit ist in schwierigen Zeiten sehr wichtig." Die Unterzeile erklärte diese Überschrift. "Der Vorsitzende der Vereine zur Verbreitung von Mustafa Kemal Atatürks Gedankengut, Ali Ünal, sagte, dass sich die Türkei in einer ähnlich leidvollen Lage befinde wie zu Zeiten des Befreiungskrieges nach dem Ersten Weltkrieg. Solch eine Zeit können wir nur mit dem Lichtblick, den uns unser Staatsgründer gegeben hat, überwinden." Dies wolle er vor allem jungen Türken in Berlin vermitteln.

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