Berlin : Gazeteler Rückblick: Was Stolpe den Türken verspricht

Suzan Gülfirat

Das türkische Generalkonsulat wird demnächst von Berlin nach Potsdam umziehen. Aus diesem Grund habe der Generalkonsul, As¤m Temizgil, sich mit dem Ministerpräsidenten von Brandenburg, Manfred Stolpe, getroffen, hieß es in den türkischen Zeitungen. Am Freitag berichteten die Blätter über das Versprechen Stolpes, er werde alles für die Sicherheit des Konsulats tun. In diesem Zusammenhang schrieben die Zeitungen auch über ein Haus in Potsdam, in dem der evangelische Pfarrer Johannes Lepsius (1858-1926) gelebt hatte. Das Gebäude werde zu einem Museum umfunktioniert. Stolpe habe aber dem Generalkonsul versprochen, dass er einen "Missbrauch" dieser Einrichtung nicht zulassen werde, schrieb die Tageszeitung Hürriyet. Was genau Stolpe damit meinte, erklärte die Zeitung allerdings nicht.

Johannes Lepsius ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass er sich für die Armenier in der Türkei einsetzte. 1895 gründete er in der Türkei die "Deutsche Orientmission" für die Armenier und berichtete 1915 in zahlreichen Dokumenten über Massaker an mehrereren hunderttausend Armeniern. Für die Türkei ist dieses Kapitel ihrer Geschichte ein rotes Tuch, das Land bestreitet die Massaker.

Auch der frühere Geheimdienstchef der DDR, Markus Wolf, sprach mit den türkischen Zeitungen. Für die türkischen Journalisten ist er immer noch der "Mann ohne Gesicht", obwohl er den Beinamen in längst vergangenen Zeiten bekommen hatte, als es in der Öffentlichkeit keine Fotos von ihm gab. "Er wird Hüseyin retten", titelte am Mittwoch die Hürriyet, und die Tageszeitung Türkiye berichtete von "Schock-Veröffentlichungen." Wolf habe zugegeben, dass die DDR mehrere türkische Spione gehabt habe, die in Westdeutschland lebten. Einen wolle Markus Wolf jetzt retten. Der besagte Hüseyin verbüße in Amerika eine lebenslange Haftstrafe, weil er seinerzeit für die DDR spioniert habe. Ex-Spionagechef Markus Wolf wolle sich für seine Freilasseung einsetzen.

Über eine andere ungewöhnliche türkische Verbindung zum Osten Deutschlands berichtete die Türkiye am Mittwoch. In Mahlow (Landkreis Teltow-Fläming) hätten die Bewohner des 8000-Seelen-Ortes Mehmet Özbek zum Ausländerbeauftragten gewählt. "Aus Rache an den Rassisten", lautete die Überschrift zu dem Text. Der 22-jährige Mann, der seit zweieinhalb Jahren mit seinen Eltern und den Geschwistern in Mahlow lebe, sei mehrmals von Skinheads überfallen worden. "Mit dieser Wahl wollten die Mahlower den Rassisten eins auswischen", behauptete die Türkiye. Die Tageszeitung Türkiye berichtet ausführlich über das türkische Leben in Berlin und Umgebung. Aber ausgerechnet den 30. Jahrestag des Döners hat die Zeitung erst dann gefeiert, nachdem deutsche Medien über das Jubiläum berichtet hatten.

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