Berlin : Gazeteler Rückblick: Was wird aus Onkel Ahmets Gemüseladen?

Suzan Gülfirat

"Allah sei Dank, hier saß kein Fahrgast drin", titelte die liberale Tageszeitung Milliyet am Sonnabend auf der fünften Seite. Auf einem Foto sah der Leser einen großen Blechhaufen, der einmal ein Reisebus war. Bei dem Reisebus, wo lediglich der Fahrer und Beifahrer drin saßen, sei die Bremse geplatzt. Mit Allah, dem islamischen Gott, hatte auch eine Geschichte aus Berlin zu tun. "Von Allah gesandte Schrift auf einem Ei", berichtete die Boulevardzeitung Hürriyet am Sonntag auf der Titelseite der Nord-Spezial-Beilage. Das ist eine tägliche Beilage mit Nachrichten aus Dänemark und Norddeutschland. Im dem Bezirk Neukölln, wo viele Türken lebten, habe der Besitzer des Lebensmittelmarktes "Bereket" (Der Segen) ein Ei im Eierregal gefunden, worauf ein arabischer Text geschrieben sei. Es sei erwiesen, dass das eine heilige Schrift, also eine von Gott gesandte Botschaft sei. Das Ei mit der geheimnisvollen Schrift wolle der Besitzer Ismail Kaya in einer Vitrine zur Schau stellen. Ein Kunde habe das Ei zuerst entdeckt und da er Arabisch konnte, habe er sofort erkannt, dass die Schrift Arabisch sei. Leider steht in dem Text nicht drin, was die Inschrift bedeutet und wer wie bewiesen hat, dass die Inschrift von Gott gesandt sei.

Bei Allah, kann ein Türke nun ein Europäer sein? Die Milliyet zitierte dazu am Sonnabend den früheren deutschen Botschafter in Ankara, Joachim Vergau: "Kohl hat alles durcheinander gebracht." Vergau habe den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl beschuldigt, mit der Aussage von 1997, die Türken könnten aufgrund kultureller und religiöser Unterschiede kein EU-Mitglied werden, den Europäer eine verkehrte Richtung vorgegeben zu haben.

Um den Einzelhandel in Berlin ging es in einem Text der Nord-Spezial-Beilage der Hürriyet vom Mittwoch. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen, habe vor türkischen Geschäftsleuten gesprochen und ihnen Tipps gegeben, wie sie mit der schwierigen Situation für Einzelhändler am besten umgehen können. In diesem Zusammenhang zitierte ihn die Zeitung folgendermaßen: "Die Tante-Emma-Läden sind ausgestorben, was wird jetzt aus Onkel Ahmets Gemüseladen?"

Für die Europaseiten der türkischen Tageszeitungen war die Ausstellung im Guggenheim-Museum in Berlin des Industriellen Sak¤p Sabanc¤ jedoch das eigentliche Thema. Dort werden bis zum 8. April osmanische Kalligrafien aus seiner Privatsammlung gezeigt. Die Beiträge in den Zeitungen waren allerdings keine feuilletonistischen Interpretationen der kostbaren Werke, sondern es ging es mehr um die türkeipolitischen Aussagen von Sabanc¤, der wie ein Poliker behandelt wurde.

Bei dem eigentlichen Aufmacher der vergangenen Woche in den türkischen Zeitungen ging es um den Tod eines türkischen Abgeordneten der "Partei des Rechten Weges". Er war nach einer Prügelei im türkischen Parlament an einem Herzinfarkt gestorben. Die Zeitungen empörten sich mehrere Tage lang auf ihren Titelseiten darüber. Die beiden Abgeordneten der rechts-nationalen Partei MHP, die für seinen Tod verantwortlich gemacht werden, standen bereits nach wenigen Tagen vor Gericht.

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