GAZETELER Rückblick : Wenn das Kind einen Ausländer heiratet

Wie die Hürriyet jüngst ihre Leser befragte – und über den Deutschkursus für nachziehende Ehegatten berichtet

Suzan Gülfirat

Die Hürriyet führte am Wohnende bei ihrer Leserschaft wieder eine interessante Online-Umfrage durch. „Wie würden Sie sich verhalten, wenn Ihr Kind einen Ausländer heiraten würde?“, lautete die Frage. Am Sonntag stand das Ergebnis fest. 69 Prozent sind demnach dagegen, dass der Sohn oder die Tochter einen Nichttürken heiratet.

Wie viele Leser mitgemacht haben, lässt sich aus dem Ergebnis nicht ablesen, aber unter denen, die sich beteiligten, finden nur 31 Prozent es völlig normal, wenn ihr Kind einen Partner aus einem anderen Land heiratet. Bemerkenswert an dieser Befragung ist, dass die Leser der Hürriyet eigentlich nicht als besonders religiös oder traditionell gelten.

Zu dieser aus türkischer Sicht sehr heiklen Frage gab es vier Möglichkeiten zu antworten. Diese lauteten folgendermaßen: „Ich finde es normal“ (31 Prozent), „Ich bin absolut dagegen“ (19 Prozent), „Ich wäre dagegen, aber würde es akzeptieren, wenn mein Kind den Partner liebt“ (23 Prozent) und „Ich würde mit meinem Kind reden und versuchen, ihn/sie umzustimmen“ (27 Prozent). Interessant ist auch, dass 19 Prozent der Leser offenbar einen Kulturschock erleiden würden, wenn Sohn oder Tochter ihnen diese Botschaft überbringen würde.

Ehegatten aus der Türkei sind jedenfalls ja nach wie vor begehrt. Die Berichte über die gerade angelaufenen Deutschkurse bei den Goethe-Instituten in der Türkei belegen das. Am Donnerstag zeigte die Hürriyet auf ihrer Titelseite ein Foto aus solch einem Kurs. Darauf waren zwei Kopftuchträgerinnen zu sehen, die eifrig am Lernen waren. „Deutschland macht sich schuldig, wenn es den Ehegattennachzug verhindert“, zitierte die Hürriyet den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat. In den Konsulaten würden die Mitarbeiter den Antragstellern raten, erst einen Deutschkursus zu besuchen. Das sei jedoch gegen die Verfassung, meint er. Er werde das dem deutschen Außenministerium melden, kündigt Kenan Kolat an.

Vor kurzem reiste er eigens nach Ankara, um auf die „Unannehmlichkeiten des neuen Zuwanderungsgesetzes“ bei dem Beauftragten der türkischen Regierung für die Belange der Auslandstürken aufmerksam zu machen. Denn seitdem Bundespräsident Horst Köhler Mitte Juli das umstrittene Zuwanderungsgesetz unterschrieben hat, müssen nachziehende Ehegatten Deutsch können. Ein Kommentator der Hürriyet verglich die heutige Bundesrepublik damals sogar mit Nazi-Deutschland.

Und trotz allem gehen die Dinge ihren Gang. „Wer sich noch nicht auf einfache Weise auf Deutsch verständigen kann, muss seinen Antragsunterlagen ein Zertifikat des Goethe-Instituts über die erfolgreiche Teilnahme an der Sprachprüfung ,Start Deutsch 1‘ beifügen“, heißt es nun. Doch schaut man auf den Flyer des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, erfährt man etwas ganz anderes. Wer aus einem EU-Staat stammt, wer einen Hochschulabschluss hat, wer Ehegatte eines Ausländers ist, der eine Aufenthaltserlaubnis als Hochqualifizierter besitzt, Forscher, Firmengründer oder auch Asylberechtigter oder anerkannte Flüchtling ist, braucht demnach kein Deutsch zu können. Suzan Gülfirat

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