Berlin : Gazeteler Rückblick: Wer hat Shawne Fielding fotografiert?

Suzan Gülfirat

Unter sämtlichen Fotos von Shawne Borar-Fielding, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Max" zu sehen sind, steht der Name André Rival. Das bedeutet, dass er die Fotos gemacht hat. Die Tageszeitung Hürriyet behauptete am Sonnabend trotzdem voller Stolz, dass die türkischstämmige Mitarbeiterin der Max-Redaktion in Berlin, Hülya Akyün, die Frau des Schweizer Botschaters fotografiert hat.

"Hinter den Skandalbildern steht die Tochter eines Schäfers", hieß es in riesigen Buchstaben in der Überschrift auf der Titelseite der Europa-Beilage. Das war soweit richtig. Doch die Unterzeile erklärte: "Die Fotos von der Gattin des Schweizer Botschafters hat ein türkisches Mädchen geknipst". Nicht nur das. Sie sei die Verantwortliche für die "Gesellschaftsredaktion" dieser Zeitschrift. Der Text auf der nächsten Seite füllte fast die ganze Seite. Die Fielding-Geschichte trägt tatsächlich die Handschrift der Redakteurin des Berlin-Büros, aber "ich habe nie gesagt, dass ich Frau Fielding fotografiert habe.", sagte sie auf Anfrage.

Dagegen wirkte eine andere Behauptung in der Hürriyet vor einigen Monaten regelrecht harmlos. Die Zeitung machte aus einer jungen türkischstämmigen Mitarbeiterin im Presse-Büro von Angela Merkel gleich die Pressesprecherin der CDU-Chefin. Die Kollegen in dem Büro belächelten damals nur die Prahlerei.

In diesem Zusammenhang fiel ein Kommentar des Hürriyet-Kolumnisten Ertug Karakullukcu auf. Er beschwerte sich am Freitag, wie des öfteren, über eine deutschprachige Zeitung und den Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir. In der Berliner Zeitung hatte Özdemir angeregt, dass die türkische Presse stärker beobachtet und ausgewertet wird, und in diesem Zusammenhang vermutet, dass viele dann erschrocken darüber wären, was dort zu lesen sei. Er sagte dies, weil in der Deutschlandausgabe der türkischen Zeitungen seit Wochen eine Kampagne gegen türkischstämmige Politiker und Wissenschaftler stattfindet, die sich in der Diskussion um den Völkermord an den Armeniern äußern, den die Türkei nicht anerkennt. Özdemir ist auch deshalb in die Kritik geraten, weil er bei einem armenischen Gottesdienst in Köln dem Priester als Zeichen der Unterwerfung die Hand geküsst haben soll. Der Politiker bestreitet das.

Der Kommentator wertete den Vorschlag von Özdemir als "regelrechte Aufforderung zur Kontrolle der türkischen Zeitungen durch staatliche Behörden in Deutschland." "Na fein! Sehen Sie? Ist das nicht erschreckend", empörte er sich. Jedenfalls entsteht manchmal beim Lesen des einen oder anderen Artikels dieser Zeitung der Eindruck, als würde der Artikel 5 des Grundgesetzes, der das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert, mißverstanden werden. Als könnten Journalisten behaupten, was sie wollen. In dem Gesetzestext heißt es: "Eine Zensur findet nicht statt." Aber auch: "Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."

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