• GAZETELER Rückblick: „Wir haben ein gemeinsames Problem“ Wie türkische Blätter über den Auftritt einer Richterin in Neukölln berichteten

GAZETELER Rückblick : „Wir haben ein gemeinsames Problem“ Wie türkische Blätter über den Auftritt einer Richterin in Neukölln berichteten

Suzan Gülfirat

Das Bild von Jugendrichterin Kirsten Heisig erschien am Freitag auch in zwei türkischen Zeitungen. Zuvor war sie erstmals auf einer Veranstaltung im BVV-Saal des Neuköllner Rathauses vor türkischen und arabischen Eltern aufgetreten. Von den beiden Zeitungen erntete Richterin Kirsten Heisig dafür viel Anerkennung. „Richterin aus Berlin beginnt Kampagne, um Jugendgewalt zu verhindern und Begabungen zu fördern“, schrieb zum Beispiel die auflagenstarke „Hürriyet“.

Auch was in dem Bericht sonst noch steht, hört sich durchaus versöhnlich an: „Wir müssen uns zusammensetzen, weil wir ein gemeinsames Problem haben“, zitierte die „Hürriyet“ die sonst als so streng geltende Richterin. Die Überschrift lautete: „Vorbildliche Initiative einer Richterin“.

Geladen hatten der Verein Türkisch-Deutsches Zentrum und die Deutsch-Arabische Gemeinde. Auch die national-konservative „Türkiye“, die überwiegend religiöse Leser hat, berichtete darüber. „Ich wünsche mir, dass Sie Ihren Kindern keine teuren Sachen kaufen, sondern gemeinsam mit ihnen Bücher lesen“, zitierte die „Türkiye“ Kirsten Heisig. Auch diese Zeitung berichtete so, als wollte sie den Jugendlichen und Eltern nur Gutes tun. „Während Heisig angab, dass die meisten Straftaten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund begangen werden, sagte sie, dass in ihrem Bezirk (Neukölln) die Scheidungsraten dramatisch gestiegen seien“, schrieb die „Türkiye“ außerdem. Die Überschrift lautete: „Mir macht es keinen Spaß zu bestrafen.“

Der Bericht aus Neukölln erschien in sämtlichen Europa-Ausgaben, die in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Holland verkauft werden. In der Türkei erschien der Text über die Jugendgewalt nicht. Suzan Gülfirat

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