Berlin : Gazeteler Rückblick: Wo die Freundin des Terror-Piloten wohnt

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Die Tageszeitungen Hürriyet und Milliyet (Auflage zusammen etwa 140 000) betrieben am Dienstag im wahrsten Sinne des Wortes "Enthüllungs-Journalismus." Während deutschsprachige Zeitungen den Namen von Aysel S. zu deren Schutz nicht ausschrieben und ihr einen Balken vor die Augen setzten, druckten die beiden türkischen Blätter sogar die Adresse der Familie der jungen Frau in der Türkei ab.

Aysel. S. ist die türkische Freundin des Terror-Piloten Ziad Samir Jarrah. Nach dem Anschlag in New York bat die Studentin aus Bochum die Polizei um Schutz, woraufhin sie an einen geheimen Ort gebracht wurde. "Die Verwandten der türkischen Geliebten sind erstaunt", titelte Milliyet am Dienstag. Auf der Titelseite wurde ein vollständiges Porträtfoto der jungen Frau gezeigt. Im Innenteil der Zeitung konnte der Leser sogar die Eltern sehen.

Hürriyet berichtete, dass die "75-jährige Oma in Karamanl¤ im Landkreis Burdur im Pazar Mahallesi (Viertel) in der Milasl¤lar Sokak (Straße) kaum glauben kann, dass ihre Enkelin in solche Angelegenheiten verwickelt ist". "Aysel bat die Polizei um Schutz", lautete die Überschrift zu ihrem Foto auf der Titelseite. Nun wird die Polizei für Aysel wohl einen neuen Ort suchen müssen.

Die Tageszeitung Türkiye beschäftigte sich gar nicht mit diesem Thema. Die Dienstagausgabe zeichnete sich besonders dadurch aus, dass sie auf vollen drei Seiten deutsche Überschriften enthielt. "Türken in Terrorangst" hieß es da zum Beispiel, "Frontenbildung gegen Islam vermeiden" und "Der Islam ist friedlich."

Am Dienstag begrüßten die Zeitungen außerdem die Bemühungen von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), extremistische Vereine durch eine Änderung des Vereinsrechts in Zukunft zu verbieten. Hürriyet zeigte aus diesem Anlass ein Bild von Schily, auf dem der sehr aufgebrachte Innenminister den Arm mit der geballten Faust in die Luft streckt: "Sein erstes Ziel ist Kaplan und Milli Görüs", hieß es dazu in der Überschrift wörtlich übersetzt. Das soll heißen, dass das Verbot der Vereinigung Cemalettin Kaplans und des Vereins Milli Görüs sein Hauptanliegen ist. "Er hat sich an die Fersen der extrem islamistischen Vereine geheftet", hieß es in der Unterzeile. Milliyet titelte zu dem Gesetzentwurf: "Die Tage der Kaplans sind gezählt." Türkiye erwähnte Schilys Absichten nur in einem Nebensatz. Zum einen sind reißerische Überschriften in dieser Zeitung nicht üblich, zum anderen hat die Zeitung bisher im Rahmen ihrer Lokalberichterstattung stets in einem sehr netten Ton über die Aktivitäten von Milli Görüs berichtet. Die Blattmacher werden jetzt wohl abwarten, was kommt.

Beim Vergleich zwischen deutschen und türkischen Zeitungen fällt die unterschiedliche Schreibweise von bin Ladens Vornamen auf. Während die deutschsprachigen Zeitungen den meistgesuchten Terroristen der Welt "Osama" nennen, heißt er in den türkischen Zeitungen "Usama". Das liegt daran, dass bei Namen in einer anderen Schrift ein Laut sich akustisch so oder so anhören kann. Die Türken haben sich eben für die Schreibweise "Usama" entschieden.

Darüber hinaus ist der Berliner Wahlkampf in die türkischen Zeitungen zurückgekehrt. Der CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel lobte in der Hürriyet seine türkische Beraterin Emine Demirbüken. Sie sei fleißig, intelligent und aufgeschlossen.

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