GdP-Sprecher Jendro im Interview : „Berliner Polizisten sind das gewohnt“

Brüche, Verletzungen im Augenbereich und Knalltraumata. Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei und seine Bilanz des G20-Gipfels.

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Ein Demonstrant und ein Berliner Polizist am Rande des G20 Gipfels in Hamburg
Ein Demonstrant und ein Berliner Polizist am Rande des G20 Gipfels in HamburgFoto: dpa

Herr Jendro, Sie waren das ganze Wochenende mit Ihren Kollegen in Kontakt. Wie geht es den Berliner Polizisten jetzt?


Die Einsatzlage in Hamburg konnte die Berliner Polizisten nicht schockieren. Trotzdem sind die Kollegen froh, wieder zu Hause zu sein. Sie schlafen jetzt und verfolgen die politischen Reaktionen.

Wie haben die Berliner den Einsatz erlebt?


In Hamburg mussten wir ständig auf neue Lagen reagieren. Ungünstig war die Unterbringung eine Stunde vom Zentrum. Viele Kollegen mussten bis drei Uhr morgens raus, Dienstantritt war um sechs. Trotzdem geht natürlich kein Berliner Polizist schlafen, wenn draußen die Stadt brennt. Auch die Verpflegung war nicht ideal. Das wirkt chaotisch, aber man kann nicht alles planen.

Überdurchschnittlich viele Beamte aus Berlin wurden verletzt, weil sie in erster Reihe eingesetzt wurden. Sind die Berliner verheizt worden?


Angesichts der Unterbringung und Verpflegung habe ich Verständnis für diese Meinung einzelner Kollegen. Ein Berliner Bereitschaftspolizist würde aber nie sagen, er sei verheizt worden, weil er im Kerngebiet einer Demonstration eingesetzt wurde. Das ist eine Auszeichnung für unsere jahrelange gute Arbeit.

Es gibt Kritik an der Einsatzleitung der Polizei. Wäre ein deeskalierende Linie wie beim 1. Mai sinnvoller gewesen?


Man kann einen G20-Gipfel und den 1. Mai nicht miteinander vergleichen. Ich bin froh, dass der Gipfel nicht in Berlin stattfand. Wäre man nicht konsequent gegen Straftäter vorgegangen, hätten die ihre eigenen Pläne durchgesetzt.

Trotzdem wurden mindestens 131 Polizisten aus Berlin verletzt. Wie geht es denen?


Wir haben noch keinen genauen Überblick, aber es gibt Brüche, Verletzungen im Augenbereich und Knalltraumata. Es ist nicht so, dass wir beim Wegrennen umgeknickt sind – das sind die Folgen von schweren Verbrechen.

Bräuchte es psychologische Hilfe?

Das hinterlässt Spuren, aber wir haben ein gutes Netzwerk und die Hundertschaften passen gegenseitig aufeinander auf. Berliner Polizisten sind das gewohnt.

Der Innensenator hat drei Tage Sonderurlaub angekündigt. Reicht das?


Es ist wenigstens ein Zeichen. Das sind aber erstmal nur Versprechungen. Wertschätzung sollte aber nicht nur finanziell erfolgen, sondern auch durch politische Rückendeckung. In Hamburg gibt es einen gemeinsamen Umtrunk – das finde ich ein schönes Zeichen.

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