Geboren am 29. Februar : Das verflixte vierte Jahr

Nur alle paar Jahre Geburtstag feiern - wer will das schon? Doch wer an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickte, sollte kompromissbereit sein. Eine Glosse von einem, der seinen Geburtstag wieder vertagen muss.

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Wann feierst du denn nun Geburtstag? Für Menschen, die an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickten, keine einfache Frage.
Wann feierst du denn nun Geburtstag? Für Menschen, die an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickten, keine einfache Frage.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ob meine Mutter damals in der Frauenklinik wohl darüber nachgedacht hat, dass sie ihrem neugeborenen Sohn die Hälfte aller runden Geburtstage vorenthalten würde? Als Junge sollte ich keinen 10., als junger Mann keinen 30. und später keinen 50. Geburtstag feiern können und auch mit dem 70. sieht es datumsmäßig schlecht aus. Ich teile dieses Schicksal mit Menschen in aller Welt, die in einem Schaltjahr ausgerechnet am 29. Februar geboren sind. Wir müssen uns damit abfinden, und wie ich haben vermutlich viele ihre ganz eigenen Regeln rund um ihren seltenen Geburtstagstermin aufgestellt. Älter werden wir übrigens wie alle anderen.

Ich habe meiner Mutter nie einen Vorwurf wegen dieses besonderen Geburtstags gemacht. Im Laufe der Jahre, als Geburtstage immer weniger wichtig wurden, ersetzte wie selbstverständlich der 28. Februar den fehlenden 29. Damit endete auch die nervige Frage unter Freunden, wann denn nun gefeiert würde. Der 1. März kam nie infrage. In Kinderzeiten sollte die Wartezeit auf die Geschenke so schnell wie möglich vergehen, und später nahm die Konkurrenz eines anderen Feiertags die Entscheidung ab. Der „Tag der Nationalen Volksarmee“ mit all seinem Brimborium beherrschte in der DDR die offiziell gelenkte Aufmerksamkeit. Als irgendwann Freunde scherzhaft „Alles Gute zum Tag der NVA“ wünschten, habe ich endgültig aufgehört, den 1. März als Ausweichtermin für Glückwünsche zu akzeptieren.

Im Rückblick fällt mir noch ein anderer Wechsel in der Wahrnehmung ein. Als Kind und Jugendlicher wusste ich immer, wann ein Schaltjahr bevorstand. Die Olympischen Spiele verströmten so eine Begeisterung, dass ich jedes Mal ein Album mit Zeitungsausschnitten und Bildern aus Illustrierten anlegte. Im Kasten mit den Erinnerungen liegen aber nur dicke Alben von den Winterspielen. In den dreiwöchigen Winterferien bei uns zu Hause am Fuße des Erzgebirges gab es viel Zeit dafür. Was wurden da in Grenoble oder Sapporo für Heldengeschichten gefeiert! Später schwand mein Interesse, und schließlich fanden nur noch die Sommerspiele in den Schaltjahren statt.

Inzwischen hat sich der 28.2. als Geburtstagstermin so in meinem Unterbewusstsein eingegraben, dass dieses Datum sogar auf einigen meiner Ausweise steht. Das fiel mir erst vor ein paar Tagen auf, als sich wieder mal das im Kalender fehlende Datum näherte. Danke für die Glückwünsche!

2196 Berliner sind nach Angaben des Amts für Statistik am 29. Februar geboren. Sie können nur alle vier Jahre termingenau Geburtstag feiern. Der zusätzliche Februartag gleicht die Zeitdifferenz zwischen dem Kalender und der Sonnenumkreisung der Erde aus.

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