Berlin : Gebrauchtbootbörse in Köpenick - und im Internet. Worauf man beim Kauf achten sollte

Annette Kögel

Das Schiff würde auch auf dem Mittelmeer eine gute Figur machen. Auf dem Sonnendeck ist der Tisch schon bereitet, und die helle Sitzgruppe sieht recht einladend aus. Wer ein wenig mediterranes Ambiente auf Müggelsee oder Havel genießen will: Die Motoryacht "Caprice" wechselt für 259 900 Mark den Besitzer. Vielleicht täte es auch schon das Motorkajütboot "Jaguar Donau". Immerhin aus Mahagoni- und Teakholz, Baujahr 1965, Kostenpunkt 7800 Mark. Boote wie diese wechseln am morgigen Sonnabend und Sonntag den Besitzer - auf der Gebrauchtbootmesse im Wassersportzentrum Berlin am Müggelseedamm 60-70. Allerlei Bootsbörsen, Ansegel-Vorbereitungen und Liegeplatzvergaben: Jetzt beginnt die Saison 2000 für die rund 250 000 Wassersportler in Berlin.

Astrid Bünning und Dieter Duschek aus Hellersdorf sind erst seit kurzem Bootsbesitzer. Jetzt schippern sie mit der "Layla" über brandenburgische Gewässer rund um Werder. Zunächst haben sie in der "Zweite Hand Bootshandel" nach einem passenden Schiff geschaut, berichtet die Kajütboot-Skipperin. Doch dann wurde das Paar in Köpenick fündig. In dem 1993 eröffneten, berlinweit einzigartigen Wassersportzentrum haben sich ein Dutzend Firmen - von der Werft über Segelmachereien bis zum Fitnessstudio und Restaurant mit Wasserblick - mit über 150 Mitarbeitern angesiedelt. Die Berliner Yachthandels GmbH (BYG) war von Anfang an dabei.

Derzeit hat sie rund 40 gebrauchte Boote im Angebot, während der Messe rechnet Veranstalter und Geschäftsführer Thomas Brauckmann mit rund 100 Schiffen, die Interessenten aus nächster Nähe inspizieren können. Doch pozentielle Käufer brauchen sich nicht gleich zum Müggelseedamm aufzumachen, um sich einen Überblick über verfügbare Segel- oder Motoryachten zu verschaffen. Die BYG bietet eine Brauckmanns Worten zufolge in Deutschland bislang einzigartige detaillierte Infobörse im Internet. Machen wir die Probe aufs Exempel bei der "Caprice". Klick. Zunächst sieht man in das Schiff von außen. Klick. Jetzt erscheinen die Gegebenheiten unter Deck, selbst Toilette und Spüle, per Mausklick auf dem Bildschirm.

"Im Computer sind über 2000 Adressen von Suchenden gespeichert", sagt Brauckmann. Vergangenes Jahr hat er 230 Schiffe vermittelt. "Kleine Flitzer laufen gut, aber auch Verdränger mit Dieselmotoren ohne Wellenschlag." Der Gebrauchtbootmarkt in Deutschland boomt. Auch die Yachthändler aus Köpenick können die Nachfrage von potenziellen Käufern in Berlin und Brandenburg kaum stillen. Brauckmanns Mitarbeiter gehen in ganz Europa auf die Suche nach reviergerechten Jollen und Dickschiffen, also Booten mit geringem Tiefgang - und bei Segelbooten mit Mastlegevorrichtung.

Die beiden Mittdreißiger aus Köpenick, die an der Steganlage des Wassersportzentrums an der Spree nahe des Müggelsees entlangschlendern, haben ihr altes Boot in Zahlung gegeben und sind nun auf der Suche nach einem Ersatz. Worauf sie achten? "Nicht zu groß soll es sein und nicht zu klein." Die Besitzer eines Wassergrundstücks sind offenbar nicht anspruchsvoll. Technische Finessen interessieren sie nicht: "Das Teil hier macht 53 Knoten, das ist doch geil." Dabei können die beiden die knapp 100 Stundenkilometer in hiesigen Breitengraden gar nicht ausfahren. Nur auf den Wasserskistrecken darf man mehr Gas geben.

Größe und Geschwindigkeit ist aber längst nicht alles, worauf Kaufinteressenten bei einem Besichtigungstermin achten sollten. "Wichtig ist der erste Eindruck", sagt Yachthändler Oliver Döring. "Wer sein Schiff pflegt, einmal im Jahr Öl und Zündkerzen gewechselt hat, wird sich auch um anderes Zubehör gekümmert haben." Interessenten sollten das Boot genau unter die Lupe nehmen. Sind Polster feucht, ist der Himmel womöglich angeschimmelt? Wirkt das Verdeck gepflegt? Dann stehen die Chancen gut, dass auch der Unterboden regelmäßig mit Antifouling-Mitteln behandelt wurde.

Außerdem sollte man sich frühere Rechnungen zeigen lassen, rät Bootshändler Döring. Wurde das Schiff regelmäßig eingewintert? Sofern es geht, sollte man eine Probefahrt unternehmen. Undichtigkeiten am Schiff seien nur schwer zu erkennen. Kleine Löcher in Holzbooten könnten sich auch schließen, wenn sie - wieder im Wasser - leicht aufquellen. Wie man diese Blessuren repariert, ist nebenan in der Yachtservice-Werkstatt von Karsten Groll zu beobachten.

Derweil kreisen die beiden jungen Männer immer noch um die schnittige, schnelle Motoryacht. Und dann steht fest: "Der richtige Kick ist da. Das Gefühl: Das Boot ist es."

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben