Gebühren : Abwasser besonders teuer in Berlin und Brandenburg

Berliner müssen laut einer Studie deutlich höhere Abwassergebühren zahlen als der Durchschnittsdeutsche.

Stefan Jacobs

In einer Untersuchung der Kölner IW Consult GmbH für die wirtschaftsnahe „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ landete Berlin mit 673 Euro Abwassergebühren für eine vierköpfige Familie auf Platz 91 von 100 untersuchten Städten. Die Kosten wurden jeweils für eine vierköpfige Familie mit Einfamilienhaus und 184 Kubikmetern Abwasser pro Jahr ermittelt.

Teuerste Stadt ist Potsdam, wo die Abwasserentsorgung mit 786 Euro dreieinhalb Mal so viel kostet wie beim Gewinner Karlsruhe (226 Euro). Allgemein liegen die Durchschnittskosten in den östlichen Ländern fast 100 Euro über denen im Westen. Als Hauptgründe werden hohe Investitionen nach der Wende und überdimensionierte Bauten wegen zu euphorischer Bevölkerungsprognosen genannt. Allerdings sehen die Experten auch undurchsichtige Kalkulationen als Nachteile. Projektleiter Carsten Seim sagte: „Die Gebührenkalkulation muss öffentlich diskutiert werden, zumal es sich ja um steuerähnliche Abgaben handelt, denen man kaum entgehen kann.“ So hätten die Versorger beispielsweise bei Abschreibungszeiten und -zinsen für ihre Anlagen durchaus Spielräume zugunsten der Kunden.

Das hatte kürzlich auch die Berliner FDP-Fraktion erklärt. Die Liberalen hatten das Land aufgefordert, auf seinen eigenen Gewinnanteil aus den Berliner Wasserbetrieben (BWB) zu verzichten und die Rendite für die privaten Gesellschafter – die Konzerne RWE und Veolia halten jeweils ein Viertel – anders zu berechnen, um die Ausschüttungen in zweistelliger Millionenhöhe zu reduzieren.

Einen Zusammenhang zwischen Privatisierung von Wasserversorgern und Preistreiberei konnten die Studienautoren nicht feststellen. Und für BWB-Sprecher Stephan Natz ist die schlechte Berliner Platzierung nur bedingt aussagekräftig: Die Abwassermenge sei wegen des geringeren Wasserverbrauchs hier kleiner und die meisten Berliner wohnten in Mehrfamilienhäusern, was die Kalkulation zugunsten der Kunden verändere. Und schließlich hätten die BWB seit der Wende gut vier Milliarden Euro rund ums Abwasser investiert – unter anderem, um die hier besonders strengen Vorgaben für die Qualität des geklärten Wassers zu erfüllen. Stefan Jacobs

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