Geburten : Berlin erlebt Baby-Boom

Die Zahl der Geburten stieg in den ersten Monaten um rund fünf Prozent. Damit liegt Berlin weit über dem Bundesdurchschnitt. Besonders in den Innenstadtbezirken gibt es einen starken Zuwachs.

Moritz Honert
Baby
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat die Ehrenpatenschaft für Drillings- und Mehrlingsgeburten übernommen.Foto: ddp

Berlin ist offenbar eine gute Kinderstube. Um rund fünf Prozent hat die Zahl der Geburten in Berlin im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem gleichen Zeitraum 2006 zugenommen. Zum Vergleich: Bundesweit gab es 0,4 Prozent mehr Neugeborene. Die ersten drei Monate des Jahres 2007 waren nach Angaben des Amtes für Statistik mit insgesamt 6479 Geburten das stärkste erste Quartal seit 2000.

Mit dem vielfach beschrieben Babyboom in Folge der Fußballweltmeisterschaft hat der Anstieg allerdings nichts zu tun. Denn die Geburtstermine dieser „WM-Babys“ müssten im zweiten Quartal liegen, für das es bislang aber noch keine Zahlen gibt. Immerhin: „Wir haben ab Anfang April einen deutlichen Zuwachs gespürt“, sagt Babett Ramsauer, Leitende Oberärztin im Geburtszentrum des Vivantes Klinikum in Neukölln, eine der größten Entbindungsstationen in Berlin.

Doch auch ohne einen „WM-Effekt“ – so es ihn überhaupt gibt – könnte die Stadt ein kinderreiches Jahr erleben. Folgt die Entwicklung jedoch dem Trend der vergangenen Jahre, ist mit weiteren Zuwächsen zu rechnen. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Geburten in späteren Quartalen deutlich ansteigt – im Jahr 2005 beispielsweise von 6039 im ersten Quartal auf 7905 im vierten Quartal. Auch absolut ist die Zahl der Geburten in Berlin in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, von 28 976 im Jahr 2005 auf 29 625 im Jahr 2006. In den vergangenen zehn Jahren änderte sich die jährliche Geburtenzahl in Berlin allerdings nur minimal und lag relativ konstant bei rund 30 000 Kindern.

Dass die Zahl der Geburten in Berlin stärker gestiegen ist als im Bundesdurchschnitt, liege an dem Bevölkerungswandel der Hauptstadt, sagt Christine Hannemann, Stadt und Regionalsoziologin an der Humboldt-Universität. „Seit der Wende sind mehr als die Hälfte der heutigen Berliner neu in die Stadt gezogen. Viele Zuzügler waren junge Studenten, die sich jetzt etabliert haben und in das Elternalter gekommen sind.“ Besonders in den Innenstadtbezirken gibt einen starken Geburtenanstieg. Die Wissenschaftlerin erklärt das damit, dass Familiengründung heute nicht mehr gleichbedeutend sei mit Wohnen in ruhigen Randbezirken. „Die jungen Väter und Mütter vereinen inzwischen Elternschaft und urbane Lebensweise.“

Auch die Politik hat ihre Erklärung für den positiven Trend: der zuständige Jugendsenator Jürgen Zöllner (SPD) führt das beispielsweise auf das Betreuungsangebot in der Stadt zurück: „Für die kleinen Neuberliner gibt es viele Krippen und Kindergärten, in denen sie gut und fürsorglich betreut werden können.“

Andere Experten gehen davon aus, dass auch das zum 1. Januar 2007 eingeführte Elterngeld ein Anreiz zum Kinderkriegen sein könnte. „Da das Elterngeld an das Einkommen gebunden ist, könnte es sich in Gegenden, in denen Menschen mit gutem Einkommen wohnen, stärker auswirken, als in ländlichen Gebieten“, sagt Christian Schmitt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Exakte Untersuchungen zu diesem Thema gebe es jedoch noch nicht.

Anders als die Zahlen für die Geburten im, liegen die für die bewilligten Elterngeldanträge im zweiten Quartal 2007 bereits vor. Gegenüber dem ersten haben sie sich von 2347 auf 6070 mehr als Verdoppelt. „Daraus zu schließen, dass sich der Geburtenanstieg in Berlin auch im zweiten Quartal fortgesetzt hat, kann man jedoch nicht“, heißt es aus der Senatsverwaltung für Jugend. „Sowohl die Bearbeitungsgeschwindigkeit der Anträge, und auch der Zeitpunkt, wie früh Eltern ihn stellen, variiere von Bezirk zu Bezirk.“

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