Berlin : Geburtstag auf Bayerisch

Ex-Bundespräsident Roman Herzog wurde 70. Sein Nachfolger Johannes Rau lud ein zu einem gelungenen Abend mit erlesener Gästeliste und jeder Menge Anekdoten

Elisabeth Binder

Beim Defilee im Schloss Bellevue konnte Protokollchef Martin Löer klingende Namen verkünden: Unter den Gästen der Feier, die Bundespräsident Johannes Rau aus Anlass des 70. Geburtstags seines Vorgängers Roman Herzog gab, war unter anderem Götz von Berlichingen, der Sohn der neuen Frau Herzog, Alexandra Freifrau von Berlichingen. Die stand in einer in vielen Farben Rosa und Rot changierenden langen Robe als Ehrengast neben ihrem Mann, den sie im Verlauf des Abends immer wieder fast so bewundernd anschaute, wie der derzeit amtierende Bundespräsident seine Frau Christina anblickt. Im eleganten schwarzen Paillettenkleid passte Christina Rau ihre Mimik diesmal den stoischen Gesichtszügen des Ehrengastes an und blickte eher ernst. Viele hätten sich wegen seiner Gesundheit Sorgen um ihn gemacht, sagte Johannes Rau zu Roman Herzog. Umso glücklicher sei man, ihn an diesem Abend hier zu haben. Raus Lieblingsanekdote von Konrad Adenauer passte in diesem Zusammenhang natürlich besonders gut. Als man Adenauer zum 90. wünschte, er möge 100 Jahre alt werden, sagte der: „Warum wollen Sie der Barmherzigkeit Gottes so enge Grenzen setzen?“

Herzog selbst sprach mit hintergründigem bayerischen Humor. Zum Entzücken der Kenner dieser von Karl Valentin geprägten Kunstform dankte er dafür, dass er bei diesem Anlass selbst dabei sein dürfe, erzählte launig, wie er nach dem Herzinfarkt zuerst mit Erleichterung an all die lästigen Termine gedacht habe, die er daraufhin absagen konnte, und dass die neue Hüfte seinen Materialwert beträchtlich erhöht habe. Den amtierenden Bundespräsidenten warnte er, dass man am Ende einer Amtszeit praktisch keine Freunde mehr habe, weil die entweder tot oder zu lange vernachlässigt worden seien. Johannes Rau quittierte das mit sichtlicher Gelassenheit und amüsierte sich beim Auftritt des Männerchorensembles „aracanum musicae“, dessen intelligenter „Happy-Birthday“-Variation unter anderem „Veronika, der Lenz ist da“ folgte – was wiederum ein Lächeln auf das Gesicht von Veronika Carstens brachte, der Witwe des früheren Bundespräsidenten Karl Carstens. Auch Richard von Weizsäcker, Bischof Wolfgang Huber und Karl Kardinal Lehmann waren da und viele Freunde und Mitstreiter Roman Herzogs, wie Wilhelm Staudacher und Anne von Fallois, die immer noch ehrenamtlich für die Stiftung der verstorbenen Christiane Herzog arbeitet. Bei Seezungenfilet und Kresseschaumsuppe erörterten der designierte BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Milberg und Hans-Olaf Henkel die wachsende Dringlichkeit eines großen Rucks.

Der Bildhauer Fritz König, dessen berühmteste Skulptur zwischen den Türmen des World Trade Centers in New York begraben wurde, von dem aber auch ein Werk im Schlosspark steht, erinnerte sich an die Zeit, als er in Landshut auf die gleiche Schule wie Herzog ging: „Er war der beste Schüler, und ich war der schlechteste.“ Er war nicht nur zum Fest gekommen, sondern auch, um einen Blick auf die Biographie zu werfen, die Christoph Stölzl zu seinem 80. im Sommer herausbringt. Königs Freundschaft mit dem Ex-Bundespräsidenten scheint sich immerhin gehalten zu haben in lakonischer Herzlichkeit. Am schönsten sei es, wenn Roman Herzog ins Atelier komme und einfach nur „Schee!“ sage. Das sei für ihn das größte Kompliment. Diese so charmante bayerische Art „schön!“ zu sagen, werden Johannes und Christina Rau an diesem gelungenen Abend wohl auch ein paar Mal gehört haben.

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