Berlin : Geburtstags-Gala für Artistik-Legende

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Varieté- und Zirkusleute in aller Welt nennen ihn „Jonny“. Er selbst nennt sich Markschiess van Trix , und geboren wurde der Ur-Berliner heute vor 85 Jahren als Justus Markschiess. Bekannt wurde dieser unter seinem Künstlernamen aber nicht als Artist in der Manege, sondern als leidenschaftlicher Sammler zirzensischer Devotionalien und vor allem als wandelndes Lexikon der Artistik. Ein Unfall hatte nach dem Krieg den Traum von der Artistenkarriere zerstört. Bei Proben zu einer Trapeznummer war Trix, wie er sich damals schon nannte, aus sechs Metern Höhe abgestürzt. Auf die bunte Welt der Fahrenden verzichtete „Jonny“ nach seinem Unfall trotzdem nicht. Statt Artist wurde er ein nicht nur in der DDR geschätzter Fachmann, der die DEFA bei Zirkusfilmen beriet, die Fachschule für Artistik in der Friedrichstraße mit aufbaute und eine einzigartige Sammlung zusammenstellte, die „documenta artistica“.

Vom Wissen des Experten profitiert in der Gegenwart auch das Theaterpädagogische Zentrum „Kreativhaus“ in Mitte. Im Haus Fischerinsel 3 will es dem guten Freund heute von 16 bis 20.30 Uhr mit einer Geburtstags-Gala und einem Bühnenprogramm für sein unermüdliches Engagement danken. Wer „Jonny“ Markschiess van Trix dort gratulieren möchte, sei herzlich eingeladen – und bekommt dort vielleicht eine seiner unzähligen Geschichten erzählt. Wie jene, als der elfjährige Justus Markschiess 1931 Charlie Chaplin neben der „Letzten Instanz“ in der Waisenstraße „Guten Tag“ sagen durfte, was fotografisch belegt ist. Oder wie der Sohn einer Reinemachfrau und eines Rohrlegers in der Hitlerzeit im Neuköllner Artistenverein „Union Victoria“ heimlich trainierte, weil die Nazi-Behörden einen „Arier-Nachweis“ für den Artistenberuf forderten.

Vielleicht erzählt der Jubilar aber auch von seinem Freund Felix Adanos, dem im Jahr 1991 verstorbenen Jongleur. „Halt dir senkrecht, Jonny“, hatte dieser Markschiess van Trix gewünscht. Das werden heute sicherlich viele Gratulanten wiederholen. hema

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