Berlin : Gedächtnislücke

Werner van Bebber

stellt sich vor, was Berlin ohne seine Friedhöfe wäre Der „Tag des Friedhofs“ ist wegen der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag etwas untergegangen. Jetzt aber kommen in Berlin Fachleute zu einer Konferenz zusammen. Sie wollen beraten, wie im Zeitalter der schrumpfenden Städte und der anonymen Bestattungen Friedhöfe zu bewahren sind. Berlin, die Stadt der puren Lebensfreude, ist ein guter Ort für solch eine Konferenz: Weil es hier so wunderbare Friedhöfe gibt, an denen man die Stadt für eine kurze Weile vergessen kann und ihr zugleich um so näher kommt, indem man an die denkt, die ihr Leben hier verbracht haben. Und weil hier so viele Leute leben, die der traurigen Überzeugung sind, sie könnten nach ihrem Tod niemandem die Pflege ihrer Gräber zumuten. Weil es doch so etwas gibt wie die Weisheit der Verwaltung, steht in den Berliner Gesetzen, dass die Entwidmung von Friedhöfen nicht so leicht möglich ist. Da gibt es lange Übergangsfristen, Zeiten, in denen ein Friedhof nicht mehr genutzt werden darf, aber erhalten bleibt. Zeit genug, um darüber nachzudenken, wie eine Stadt wirkt, die ihre früheren Friedhöfe ökonomisch nutzt, für Bau- und Getränkemärkte.

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