• Gedächtnisschwund beim Thema Luftbrücke? Historiker für den Umzug des Alliiertenmuseums

Berlin : Gedächtnisschwund beim Thema Luftbrücke? Historiker für den Umzug des Alliiertenmuseums

Soll das Alliiertenmuseum von Zehlendorf ins Tempelhofer Flughafengebäude ziehen? Dafür hat sich der Berliner Historiker Dominik Geppert ausgesprochen. Kurz vor dem 60. Jahrestag des Beginns der Berliner Luftbrücke warnt er davor, das Gedenken an die Hilfsaktion verblassen zu lassen. „Die deutsche Geschichte ist nicht reich an positiv aufgeladenen, symbolischen Erinnerungen. Die Luftbrücke dagegen steht wie kaum ein anderes Ereignis für Freiheit, Selbstbehauptung und Demokratiewillen des Volkes“, sagte Geppert, der Privatdozent an der FU ist.

Das aktive Erinnern durch Zeitzeugen verschwinde langsam. Die Veteranen der Luftbrücke seien sehr alt oder bereits gestorben. Mit dem Ende des Kalten Krieges verliere auch die Luftbrücke im kollektiven Gedächtnis an Bedeutung. Deswegen sei jetzt wichtig, das kollektive Erinnern anders zu verankern.

Mit der positiven Symbolkraft der Luftbrücke dürfe nicht leichtfertig umgegangen werden. „Aus Besatzern wurden Beschützer“, betonte der Historiker. Umgekehrt habe sich auch das Image der Deutschen oder zumindest der Berliner bei den Amerikanern und den Briten verändert. „Aus der Hauptstadt des ,Dritten Reiches‘ wurde so ein Bollwerk der Freiheit, das Symbol des Selbstbehauptungswillens der freien Welt.“

Wegen der Blockade durch die Sowjetunion startete die US-Luftwaffe am 26. Juni 1948 offiziell die als „Berliner Luftbrücke“ bekannt gewordene Hilfsaktion. Insgesamt sind damals über 490 000 Tonnen Nahrungsmittel nach West-Berlin eingeflogen worden. ddp

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