Berlin : Gedenken am Bauzaun

Berliner Roma improvisieren eine Feier am weiterhin unfertigen Mahnmal am Reichstag

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Die Bauarbeiter schauen verwundert, als der bunte Zug mit etwa 100 Menschen vor ihnen haltmacht. Schnell ist eine große Flagge am Bauzaun befestigt, ein Geiger und ein Gitarrist spielen auf, dann werden Blumen niedergelegt und Reden gehalten.

Seit 40 Jahren wird der 8. April als Internationaler Roma-Tag gefeiert und deshalb hatte der Berliner Verein Amaro Drom zu einer „Gedenkfeier am Mahnmal der Sinti und Roma“ geladen. Einige Gäste, darunter eine Delegation aus Italien, überraschte die Improvisation am Bauzaun sichtlich, denn das Mahnmal am Reichstag ist auch im Frühling 2011 noch nicht fertig. Nicht nur Roma bezweifeln inzwischen, dass es je fertig wird.

„Diese Einladung war natürlich eine Kunstperformance – das ist unsere Art, auf das Problem aufmerksam zu machen“, sagte Hamze Bytyci, Vorsitzender von Amaro Drom. Der Verein bietet bereits eine ganze Woche lang Veranstaltungen über die Roma und mit ihnen an.

Eine der wichtigsten war die gestrige Podiumsdiskussion mit Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Bundestag. Denn mit der EU-Osterweiterung, kommen vermehrt Angehörige der seit Jahrhunderten verfolgten Minderheit der Roma nach Deutschland. Allein in Berlin wird ihre Zahl inzwischen auf knapp 200 000 geschätzt und die Integration ist schwierig.

„Wir haben gute Erfolge, die Roma aus Ex-Jugoslawien zu integrieren“, sagte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD): „Aber für die Neuankömmlinge aus Ungarn, Bulgarien oder Rumänien fehlt eine berlinweite Strategie.“ Hanke meinte damit auch Fragen der Unterbringung und der Schulbildung für Roma-Kinder, deren Eltern ohne behördliche Anmeldung in Berlin leben.

Innensenator Körting verteidigte seine Ansicht, dass, wer sich nicht anmelde, auch keine staatlichen Leistungen, einschließlich Schulbesuch, beanspruchen könne. Ulla Jelpke verwies hingegen darauf, dass jedes Kind laut UN-Menschenrechtskonvention das Recht auf Bildung habe. Viele Gäste pflichteten ihr bei und berichteten von erfolgreichen Projekten, die in einigen Bezirken schon liefen.

Armutsmigration werde es weiter geben, sagte Bezirksbürgermeister Hanke. „Deshalb müssen wir bei der Bildung der Kinder anfangen.“Sandra Dassler

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