Berlin : Gedenken an Tsunami-Opfer aus Berlin und Brandenburg

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Zwei Jahre ist die Katastrophe am zweiten Weihnachtsfeiertag nun her, und Anke George geht immer noch „zwei, drei Mal in der Woche auf die Tsunami-Seiten im Internet“. Dann blättert sie auf der Seite „www.radarheinrich.de“ des Hamburgers Heinrich Grosskopf immer wieder in ihrem eigenen Erlebnisbericht, sieht sich das Foto mit dem Bungalow in Khao Lak an, auf dessen Dach sie überlebt hat. „Ich betrachte das aber alles emotionslos, ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass ich tatsächlich dabei gewesen bin.“

Am Dienstag wird sich die 48-Jährige aus Treptow-Köpenick, die in Thailand ihren Mann verlor, mit anderen Hinterbliebenen am Gedenkstein in Berlin treffen. Die Stele mit den eingelassenen Namen von 43 Opfern aus Berlin und Brandenburg war vor einem Jahr in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler auf dem Friedhof der evangelischen Dorfkirche Alt-Tempelhof eingeweiht worden. Initiiert hatte das die Betroffenengruppe „Hoffen bis zuletzt“, die sich immer noch alle zwei Monate mit Seelsorger Pfarrer Jörg Kluge trifft. Die Kirche stellte den Friedhofsplatz kostenfrei zur Verfügung, das Deutsche Rote Kreuz unterstützte die Finanzierung der Sandsteinstele – das meiste Geld aber brachten die Betroffenen selbst auf. „Es gab keinerlei staatliche Hilfe. Selbst die Namen der Verstorbenen konnten nur ausfindig gemacht werden, nachdem Briefe an Berliner Zeitungen mit der Bitte um Hilfe versandt wurden. Das LKA erklärte sich erst nach Veröffentlichung eines Artikels im Tagesspiegel bereit, Briefe an die anderen, der Gruppe unbekannten Angehörigen zu versenden“, steht im Internetbericht von Anke George.

Die zweifache Mutter reist im Februar wieder nach Khao Lak, auch, um sich dort mit Suthep Prommoon zu treffen – der Thailänder brachte sie damals ins Krankenhaus. „Mich zieht es immer wieder magisch dorthin. In Thailand sind die Menschen voller Güte, dort fühle ich mich geborgen, da wird einem die Kälte unserer Gesellschaft erst richtig bewusst.“ Eine Brandenburgerin, die Mann und Sohn verlor, sei inzwischen ganz nach Thailand gezogen. Anke George wiederum erhielt kurz vorm Fest schlechte Nachrichten, sie bangt um ihre Stelle, ihr Arbeitgeber hat finanzielle Probleme. „Es ist anstrengend, das ganze Leben allein zu organisieren“, sagt sie.

Bei dem Tsunami kamen 47 Menschen aus der Region ums Leben. Ein Berliner Opfer wird immer noch vermisst. kög

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