Gedenken : Mahnmal für behinderte NS-Opfer

Die Tafel vor dem Eingang der Philharmonie, mit der an die Opfer der so genannten „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten gedacht werden soll, wird von vielen Betrachtern als unzureichend empfunden.

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Zu übersehen. Die jetzige im Boden eingelassene Gedenktafel -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Sie ist nur in den Boden eingelassen, damit leicht zu übersehen und oft verschmutzt. Der Text ist zu knapp und wenig informativ. Die Tafel vor dem Eingang der Philharmonie, mit der an die Opfer der so genannten „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten gedacht werden soll, wird von vielen Betrachtern als unzureichend empfunden.

Fast 200 000 geistig und körperlich behinderte Menschen wurden ab 1940 systematisch vom Naziregime ermordet. Die Zentrale, von der aus diese Aktion geplant wurde, war in der Tiergartenstraße 4 am Platz der heutigen Philharmonie. Angehörige von Opfern beklagten sich in letzter Zeit verstärkt über das „unwürdige Gedenken“ bei Kulturstaatssekretär André Schmitz, beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit oder dem Petitionsausschuss des Bundestages.

Ihre Forderungen sollen schon bald realisiert werden. Bei der Stiftung „Topographie des Terrors“ trifft sich seit einigen Monaten ein runder Tisch, dessen Mitglieder schon konkrete Schritte unternommen haben. So wurden die Umrisse des Hauses in der Tiergartenstraße 4 mit blauer Farbe kenntlich gemacht. Andreas Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung, nennt weitere Schritte für die Zukunft: „Eine zusätzliche Tafel soll ausführlicher sein und in mindestens zwei Sprachen bis Januar 2008 aufgestellt werden.“ Weiterhin will man einen Reader zum Thema erstellen, und die Firma Wall plant ein Gedenkhäuschen, das der Künstler Ronnie Golz gestalten soll. Ähnliche Wartehäuschen mit Gedenkinformationen stehen bereits an drei Standorten in Berlin.

Erwogen wird allerdings auch, diese auffälligeren Erinnerungen an einem Mahnmal zu konzentrieren. Über eine solche Lösung und die Frage, wie das Mahnmal aussehen sollte, muss noch beraten werden. Auch Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik tritt schon seit Jahren für ein „überzeugenderes Erinnern“ an der Philharmonie ein und hat dies bei einem Besuch beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit angesprochen. „Er hat Verständnis und Unterstützung signalisiert“, berichtete Kottnik nach dem Treffen. Das nächste Mal kommen die Mitglieder des Runden Tisches am 10. September zusammen. mj

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