Gedenken : Streit um Treitschke-Erinnerung

Die Erinnerung an Heinrich von Treitschke erregt weiter die Gemüter in Steglitz. Denn nun gibt es eine Stele für den umstrittenen Historiker, von dem der Satz stammt "Die Juden sind unser Unglück".

Cay Dobberke

Der jahrelange Namensstreit um die Treitschkestraße in Steglitz geht weiter, obwohl dort an der Ecke Lepsiusstraße seit Freitag eine Gedenkstele steht. Dazu gehören Texttafeln, die über den umstrittenen Historiker Heinrich von Treitschke (1834 bis 1896) und den von ihm ausgelösten „Berliner Antisemitismusstreit“ informieren. Außerdem heißt die angrenzende Grünanlage nun „Harry-Bresslau-Park“ und trägt damit den Namen eines Treitschke-Gegners. Die SPD hält die Texte auf den Infotafeln jedoch für „völlig ungeeignet“ und fordert, diese „einzustampfen“ oder zu ergänzen.

Fraktionschef Michael Karnetzky vermisst unter anderem einen Hinweis darauf, dass Treitschkes berüchtigter Satz „Die Juden sind unser Unglück“ später vom Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ verwendet wurde. Außerdem würden die Positionen im einstigen Antisemitismusstreit einander zu neutral gegenübergestellt, es fehle eine klare Distanzierung von Treitschkes Ansichten.

CDU und Grüne, die in der BVV Steglitz-Zehlendorf eine Zählgemeinschaft bilden, wollen jedoch nichts mehr ändern. Die Texte seien sachlich formuliert, um „zum Nachdenken anzuregen“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Christa Markl-Vieto. Außerdem sei die Stele nur Teil eines Konzepts: Unter Beteiligung von Schulen seien auch Ausstellungen über Treitschkes Wirkungsgeschichte geplant. Diese sollten im Einkaufszentrum „Berlin Boulevard“ gezeigt werden, das ein Investor 2011 auf dem Wertheim-Areal an der Treitschkestraße eröffnen will. Dabei wird ein Teil der Straße überbaut.

Anlässlich des Bauprojekts war die Diskussion um eine mögliche Umbenennung der Treitschkestraße neu entflammt. Die SPD sprach sich dafür aus, die CDU dagegen. Die Grünen „fordern seit zwölf Jahren die Umbenennung“, betont Fraktionschefin Markl-Vieto. Für die politische Partnerschaft mit der CDU habe die Fraktion aber Kompromisse eingehen müssen. CD

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