Gedenken : "Zug der Erinnerung" fährt in den Ostbahnhof ein

Der NS-Ausstellungszug macht auf Gleis 1 des Ostbahnhofs Halt - nur weiß derzeit niemand genau wie lange. Später soll es nach Lichtenberg, Schöneweide und Grunewald gehen.

BerlinDer viel diskutierte "Zug der Erinnerung" zum Gedenken an deportierte Kinder in der Nazi-Zeit wird zunächst am Ostbahnhof Station machen. Die Lok mit mehreren Ausstellungswagen werde am Sonntag um 12 Uhr in den Bahnhof einfahren, sagte ein Sprecher des Vereins "Zug der Erinnerung" am Freitag. Ihrem Wunsch zufolge soll die mobile Ausstellung zwei Tage lang stehen bleiben. Nach Angaben der Bahn darf der Zug am Sonntagmittag auf jeden Fall im Ostbahnhof auf Gleis 1 halten. Doch die Dauer des Aufenthalts war zunächst unklar.

Die Initiatoren des Projekts hatten am Vormittag aus Versehen ein fehlerhaftes Formular bei der Bahn eingereicht. Darin beantragten sie irrtümlich nur den Zeitraum von 9 bis 15 Uhr am Sonntag. Bahn-Sprecher Jens Oliver Voß betonte: "Dem Antrag haben wir zugestimmt." Stunden später berichtigten die Organisatoren ihren Fehler. Ob eine Verlängerung der Haltezeit noch möglich sei, müssten nun Experten entscheiden. Das könnte schwierig werden, fügte Voß hinzu. Sollte es nicht klappen, fürchte er erneute Proteste.

Bahn untersagte Stopps

In den vergangenen Tagen war die Bahn schwer in die Kritik geraten. Das Unternehmen untersagte einen geplanten Stopp am Hauptbahnhof mit Verweis auf verkehrstechnische Probleme. Die Bundesnetzagentur bestätigte die Haltung der Bahn.

In den Waggons des "Zugs der Erinnerung" werden Fotos und Lebenszeugnisse von Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa gezeigt, die während der NS-Zeit in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Zug ist bereits seit November 2007 unterwegs. Ziel ist am 8. Mai die Gedenkstätte Auschwitz in Polen. In Berlin macht der Zug zehn Tage lang einen Zwischenstopp. Nach den Plänen des Vereins soll der Zug vom Ostbahnhof aus weiterfahren nach Lichtenberg, Schöneweide, Westhafen und Grunewald.

Den Angaben zufolge wurden aus Berlin mehr als 4600 Kinder und Jugendliche Zügen der Reichsbahn deportiert. An diesem Samstag ist ab 18 Uhr am Brandenburger Tor eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer geplant. (hah/ddp)

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