• Gedenkfeier: „Wir sind gekränkt“ Wie türkische Blätter über den Jahrestag zum Genozid der Armenier berichten

Berlin : Gedenkfeier: „Wir sind gekränkt“ Wie türkische Blätter über den Jahrestag zum Genozid der Armenier berichten

Suzan Gülfirat

„Wir sind gekränkt“ – unter dieser Überschrift hat die Hürriyet am Donnerstag erneut über die geplanten Gedenkfeiern zum Völkermord an den Armeniern berichtet. „Reaktion auf das so genannte Gedenken am 23. April“, hieß es in der Dachzeile über dem Dreispalter. Darunter veröffentlichte die Hürriyet eine Erklärung des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde zu Berlin, Tacittin Yatkin. Er gilt als Vertreter der konservativen Berliner Türken. In der abgedruckten Stellungnahme heißt es: „Nachdem wir in der Hürriyet die Nachricht gelesen haben, beschlossen wir, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir haben Herrn Walter Momper schriftlich um ein Treffen gebeten.“

Wie berichtet, wollen die armenischen Gemeinden in knapp zwei Wochen des Genozids durch die osmanische Armee 1915 gedenken – auch in Berlin. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), will bei der Gedenkveranstaltung am 23. April eine Begrüßungsrede halten. Die Hürriyet hatte Momper vorgeworfen, „der Verleumdung Tür und Tor“ zu öffnen, weil die Feier zum 90. Jahrestag im Abgeordnetenhaus stattfindet. Zum Treffen zwischen der Türkischen Gemeinde und Momper kam es bislang offenbar nicht: „Acht türkische Vereine warten jetzt auf Antwort“, meinte die Hürriyet. Die Vereine wollten in Kürze die Aktionen, die sie als Zeichen des Protests planen, veröffentlichen. „In jedem Fall wird alles friedlich verlaufen“, versicherte Yatkin.

Eine andere Tageszeitung, die Türkiye, berichtete am gleichen Tag über eine andere Gedenkfeier. „Berliner Ülkücü gedenken Basbug“, hieß es in der Überschrift. Was in etwa bedeutet: „Berliner Idealisten gedenken des obersten Führers.“ Damit ist der Führer des türkischen Nationalismus, Alparslan Türkes, gemeint. Er war der Vorsitzende der faschistischen türkischen MHP (Partei der nationalistischen Bewegung) und ihrer Jugendorganisation „Graue Wölfe“. 1997 starb er im Alter von 80 Jahren.

Der Vorsitzende der „Vereinigung der Berliner Idealisten“, Ibrahim Yigit, habe in seiner Rede betont, dass die Türkei „jetzt in ihren schwersten Stunden“ einen Mann wie den „legendären Führer“ des türkischen Nationalismus brauche. „Unsere Heimat wird von außen politisch, von innen von Vaterlandsverrätern angegriffen, unsere ruhmreiche Fahne in ihren Händen zerrissen.“

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