• Gedenkstätten sollen besser zusammenarbeiten Das Abgeordnetenhaus diskutierte über alte und neue Mauer-Mahnmale in Berlin

Berlin : Gedenkstätten sollen besser zusammenarbeiten Das Abgeordnetenhaus diskutierte über alte und neue Mauer-Mahnmale in Berlin

Ulrich Zawatka-Gerlach

Ein neues Mahnmal im Herzen Berlins, das an die Mauer und deren Überwindung erinnert, ist für das Abgeordnetenhaus kein vordringliches Thema. Aber: die bestehenden Gedenkstätten sollen ausgebaut, leichter erreichbar und stärker miteinander verknüpft werden. Darin waren sich alle Fraktionen in einer „Aktuellen Stunde“ des Parlaments zum 15. Jahrestags des Mauerfalls einig. CDU und Grüne brachten gestern Anträge ein, die vom Senat ein Gesamtkonzept fordern, um die Erinnerung an die Teilung der Stadt und deren Opfer wach zu halten. Mit Blick auf die umstrittene, aber öffentlich sehr beachtete Mauer-Installation am Checkpoint Charlie regte die Union an, „die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und privaten Initiativen“ zu prüfen. Entscheidend aber sei „die Vernetzung der bestehenden Angebote und eine bessere Erschließung“.

Auch die Grünen halten es erst einmal für wichtig, die vorhandenen „authentischen Mauerzeugnisse dauerhaft zu sichern, sichtbar und verstehbar zu machen“. Das offizielle Gedenkzentrum an der Bernauer Straße müsse aufgewertet, die noch existierenden Wachtürme und die Eastside-Gallery baulich gesichert werden. Entlang der ehemaligen Grenze könnten Fototafeln angebracht werden, um die Situation vor 1989 anschaulich zu machen. Die Idee einer zentralen Gedenkstätte, möglichst am Brandenburger Tor, wurde von den Fraktionen eher zurückhaltend aufgenommen. Wie berichtet, hatten vier Mitglieder des Bundestages vorgeschlagen, am Tor einen „Ort der Erinnerung“ zu schaffen.

In der Aktuellen Stunde warnte die FDP-Abgeordnete Meister gestern vor einer „Vermahnmalung“ in Berlin. Die Grünen fordern zwar in ihrem Antrag, dass der Senat – in Absprache mit dem Bund – „einen Diskussionsprozess einleiten soll, ob und an welcher Stelle ein zentrales Denkmal für die an der Mauer getöteten Menschen errichtet werden kann“. Aber auch die Grünen-Fraktionschefin Sibyll Klotz bezweifelte gestern, „dass die Zeit reif ist für eine künstlerische Ausdrucksform des Gedenkens“ im Stadtzentrum. Klotz schlug vor, den Mauerstreifen an der Bernauer Straße „in den nicht genutzten Teil der Sophiengemeinde“ hinein zu erweitern. CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer hält einen Bus-Shuttle für sinnvoll, der die Gedenkstätten miteinander verbindet. Außerdem zeige die Initiative der Mauermuseum-Chefin Alexandra Hildebrandt , dass an dieser Stelle viele Menschen für ein „angemessenes Gedenken“ ansprechbar seien. Das meinte auch der FDP-Fraktionschef Martin Lindner: „Dort wurde ein Anfang gemacht.“

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der PDS-Landes- und Fraktionsvorsitzende Stefan Liebich verteidigten die Bernauer Straße als eine „hervorragende Gedenkstätte“. Die Wünsche nach einem „Stück Berliner Mauer als authentischer Ort des Erinnerns“ an anderer Stelle sei zwar verständlich, so Wowereit. „Aber wir sollten jetzt nicht in blinden Aktionismus verfallen.“

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