• Gedenkveranstaltungen: Angst vor neuer Spirale der Gewalt. Pfarrer Wolfgang Schubert, evang. Kirche, Alt-Tegel

Berlin : Gedenkveranstaltungen: Angst vor neuer Spirale der Gewalt. Pfarrer Wolfgang Schubert, evang. Kirche, Alt-Tegel

"Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Das ist der Spruch für die kommende Woche. Aber er will uns schwer über die Lippen kommen. Im Augenblick ist mehr Klage angesagt. Da gibt es Fragen, wie denn so etwas geschehen konnmte, wie Menschen zu solchen grausamen Aktionen fähig sind (...) Jeder von uns wünschte sich, dass das nur ein böser Traum war. Aber es war Wirklichkeit. Wütend wurde von Vergeltung gesprochen. Aber jeder wußte auch, dass er hilflos dem Terror gegenübersteht. Und da ist dann die Angst, dass all das sich noch ausweiten kann, dass eine neue Spirale der Gewalt in Gang kommen wird. (...)

Lobe den Herren, das scheint eine Aufforderung. Nur, Lob kann man nicht befehlen. Und wo das geschehen ist - wir kennen das aus der Geschichte unseres Volkes - da ging es vielleicht laut her, da wurde gerufen und Fähnchen wurden geschwenkt (...) Aber von Herzen kam da nichts. (. . ) Jubel kann man nicht befehlen und Lob auch nicht. Beides wird immer eine Antwort auf persönliche Erfahrungen sein...Jeder von uns blickt auf Erfahrungen zurück, die ihn dankbar Gott gegenüber machen. Wenn wir gerade so schreckliche Dinge miterleben, dann will es uns scheinen, dass da nicht viel anderes war und vor allem nichts Gutes. (...) Ich merkte damals, dass ein kleiner Kummer mir den Blick für die Begleitung Gottes nehmen kann. Und ein großer Kummer kann das erst recht. Doch wenn wir uns dann erinnern, dann werden auch wieder die anderen, die guten Erfahrungen deutlich. Das läßt sich nicht aufrechnen. Aber es kann Mut machen, und es kann uns frei machen. Frei von der Umklammerung der Angst. (... )"

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