Berlin : Gedenkveranstaltungen: "Trauer braucht Trost"

Mit einem Fahrzeugkorso gedachte die Freiwillige Feuerwehr Berlins am gestrigen Sonntag der Terroranschläge in den USA. Rund 1000 Feuerwehrleute rollten dazu am Nachmittag mit 100 Löschfahrzeugen und Einsatzwagen aus fünf Berliner Feuerwachen vor das Rote Rathaus. Dort trafen sie auf Abordnungen der Berufsfeuerwehr, dienstfreie Kräfte und ehemalige Angehörige der Berliner Feuerwehr.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Gemeinsam erlebten sie um 15 Uhr 15 einen ökumenischen Gottesdienst, für den man das Rathausportal mit zwei aus Feuerwehrleitern gebundenen Kreuzen flankiert hatte.

"Vernunft und Religion, diese beiden Grundformen unseres Seins, verbinden sich in der Humanitas. Diese hat uns hier zusammengeführt", sagte Pater Vincens, katholischer Anstaltspfarrer in der Justizvollzugsanstalt Tegel. Menschen brauchten die Zusammenkunft immer dann, wenn sie ihre Grenzen erfahren, wenn Trauer und Leid sie ergreife.

"Wir können und dürfen uns nicht niederdrücken lassen. Trauer braucht Trost, Trost hängt mit Trauen, Zutrauen, Vertrauen zusammen. Trost hat Brückenfunktion zum Leben. Leben endet im Sinne von Sein nicht mit dem leiblichen Tod. Wir gedenken immer wieder aller im Dienst tödlich verunglückten Feuerwehrleute und derer, die in unseren Wehren zu uns gehört haben. Aus ihrem Tod erwuchs uns Segen", predigte der Pater und hoffte, dass "aus dem Sterben der unschuldigen Mordopfer bei den beispiellosen Terroranschlägen in New York und Washington uns die Kraft zum Frieden und zur Gerechtigkeit heranreifen möge."

Trauer nicht in Hass und Rache umschlagen zu lassen, mahnte auch Pfarrer Jörg Kluge aus der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Tempelhof. "Wir trauern heute um Menschen, die Opfer dieser mörderischen Anschläge wurden. Wir trauern auch um ferne Kollegen aus den Bereichen der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei, die in Erfüllung ihres Berufs ebenfalls Opfer dieser mörderischen Anschläge wurden", sagte der Pfarrer, der in Marienfelde selbst zur Freiwilligen Feuerwehr gehört.

"Wir trauern und sind tief betroffen, weil wir daran erinnert werden, dass es uns auch treffen könnte. Wir trauern, das heißt, wir müssen loslassen", hieß es in der Predigt weiter. "Wir müssen loslassen, was uns Halt gibt. Wir müssen loslassen, was uns Sicherheit gibt. Wir müssen loslassen von unserer Vorstellung innerstaatlichen Friedens." Dann bezog sich Pfarrer Kluge auf ein Gebet Franz von Assisis: "Herr, mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt."

Nach dem ökumenischen Gottesdienst, an dem auch zahlreiche Berliner teilnahmen, ergriff der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit das Wort. Er verurteilte die Terrorakte als Anschläge auf die zivilisierte Welt und die demokratischen Grundordnungen. Deshalb sei es gut, dass die Nato den USA beistehe. Auch Wowereit mahnte gestern jedoch bei allem Verständnis für spontane Reaktionen Besonnenheit an.

Landesbranddirektor Albrecht Broemme betonte, die Anschläge in den USA zeigten, dass die Realität viel grausamer sein könne als sämtliche Planungen für Katastrophen. Nach seinen Angaben haben in New York über 500 Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter bei ihrem selbstlosen Einsatz den Tod gefunden. Vom Roten Rathaus aus fuhren anschließend die Feuerwehrleute zur US-Botschaft, an der sie in einem Trauermarsch vorbeizogen. Bereits vor einigen Tagen hatte die Freiwillige Feuerwehr zu einer bundesweiten Spendenaktion aufgerufen. Damit soll den Familien der im Einsatz umgekommenen Feuerwehrleute geholfen werden. Auf Grund der schlechten sozialen Absicherung in den USA würden die Kollegen ihre Familien in der Regel ohne finanzielle Vorsorge hinterlassen.hema/dpa

Gespendet werden kann auf das Konto des Förderkreises Feuerwehr e.V.

Kontonummer 18 51 20 20 10 bei der Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00.

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