Berlin : Gedichte vom Papst

Literarischer Abend in Berlin anlässlich der Ehrung in Rom

Karsten Dyba

STADTMENSCHEN

„Lass mich innehalten an der Schwelle schlichten Erstaunens.“ Eine Zeile aus der Feder eines Dichters, der weniger als solcher bekannt ist: Das Gedicht „Staunen“ und andere von Papst Johannes Paul II. wurden bei einem literarischen Empfang in der Katholischen Akademie zeitgleich mit einer Veranstaltung in Rom rezitiert. Gestern bekam das Oberhaupt der Katholischen Kirche den Außerordentlichen Karlspreis für seine Verdienste um die Einheit Europas verliehen.

Das Künstlerhaus Berlin hatte mit der polnischen Botschaft und dem Herder-Verlag, der die Gedichte ediert, den Abend organisiert, zu dem auch die früheren Außenminister Polens und Deutschlands, Wladyslaw Bartoszewski und Hans-Dietrich Genscher, sowie der päpstliche Nuntius, Erzbischof Josef Erwin Ender , eingeladen waren. Genscher und Bartoszewski berichteten von ihren Begegnungen mit dem Papst. Bartoszewski hat darüber ein Buch geschrieben, das er gestern vorstellte. Genscher sagte, wir hätten dem Papst „viel zu verdanken, weil er die Teilung Deutschlands nicht anerkannte“. Genscher war bei der Wahl des polnischen Kardinals Karol Woityla 1978 zum Papst Außenminister im Kabinett Schmidt gewesen. Als Johannes Paul ein Jahr später seine Heimat besuchte, ahnte Bartoszewski: „Etwas wird kommen.“ Die Hoffnung der Polen auf Veränderung sei spürbar gewesen. Die Gedichte des Menschen Karol Woityla, gelesen von Ann Vielhaben , Manfred Eisner und Erich Schwarz , machten dessen Spiritualität spürbar. Dazu kommt: Literaturbegeisterung. Die will Verleger Manuel Herder gespürt haben, als der Papst ihm bei einer Audienz ein neues Buch geradezu aus der Hand riss. „Die Kraft des Augenblicks" lautet auch der Titel des von Bartoszewski herausgegebenen Buchs über Johannes Paul II.

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