• Gedränge am oberscharfen Zahlentisch Riesiger Ansturm auf die Schau „10+5=Gott“ im Jüdischen Museum

Berlin : Gedränge am oberscharfen Zahlentisch Riesiger Ansturm auf die Schau „10+5=Gott“ im Jüdischen Museum

Volker Eckert

Angeblich war Michael Blumenthal anfangs gegen eine Ausstellung über Zahlen: Was hat das mit Judentum zu tun, wie lässt sich das vermitteln? Umso überraschender auch für ihn, dass sich der Direktor des Jüdischen Museums bei der Eröffnung der Schau „10+5=Gott“ am Dienstagabend entschuldigen musste, dass die rund 300 Stühle nicht reichten. Da wusste Blumenthal offenbar noch gar nicht, dass noch Hunderte Gäste im Treppenhaus und vor der Tür standen.

Nach der Einführung wurde es in den Ausstellungsräumen so voll, dass man sich gegenseitig auf den Füßen stand und mancher Gast über das dreidimensionale „Himmel und Hölle“-Spiel auf dem Boden stolperte. Riesenandrang herrschte am zehn Meter langen Zahlentisch, einem interaktiven Bildschirm, auf dessen blauer Oberfläche Ziffern schwimmen, die bei Berührung eine Geschichte preisgeben: etwa, dass beim Stirnrunzeln 43 Muskeln aktiv werden und Juden mit fünf anfangen, in der Tora, einer heiligen Schrift, zu lesen. Im dunklen Raum zog die leuchtende Platte die Menschen an wie Motten. „Den Tisch finde ich ja oberscharf“, sagte eine grauhaarige Frau zu ihrer Begleiterin.

Doch auch vom Rest der Ausstellung waren fast alle Besucher angetan. Das bunte Sammelsurium von Exponaten sei nicht so schwermütig, wie man das sonst von Ausstellungen über das Judentum gewohnt sei, meinte etwa die Besucherin Barbara Gebhardt. Trotzdem lerne man viel über jüdische Geschichte, fand ein anderer Gast.

Volker Bohmann, pensionierter Ingenieur in Anzug und Fliege, wäre gar nicht gekommen, wenn er nicht Beziehungen zum Museum hätte. Den Ausstellungstitel habe er abschreckend gefunden. Doch dann entdeckte er „liebevolle und faszinierende Details“. Und einige „brutale“, wie ein Brettspiel für Kinder aus den 30er Jahren namens „Juden raus“. Außerdem weiß Bohmann jetzt, dass im Hebräischen jeder Buchstabe eine Zahlenentsprechung hat – und deshalb 10 und 5 das Wort „Gott“ ergeben.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Juni täglich von 10 bis 20 Uhr zu sehen, montags bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt zwei Euro. Mehr im Internet unter: www.10plus5gleichgott.de.

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