Berlin : Gedreht und gewendet

Zwei Grimme-Preisträgerinnen haben einen Film übers Tanzen gemacht. Die Musik kommt von Super 700

Nana Heymann

Es ist letztlich eine Typfrage: Ist man eher ein Tänzer? Oder jemand, der lieber am Rand der Tanzfläche steht und andere beobachtet? Antje Kruska und Judith Keil, beide 33, können sich nicht recht entscheiden. „Eigentlich eher Tänzer“, sagt Keil. Doch Kruska ergänzt: „Für unseren Film hätten wir uns selbst nicht gecastet.“ Darin begnügen sich die beiden mit der Rolle des Beobachters.

„Dancing with myself“ heißt die Dokumentation, die Keil und Kruska gemeinsam gedreht und nach einem Song-Titel von Pop-Punk Billy Idol benannt haben. Heute Abend feiert das Werk, das vor zwei Jahren die Berlinale-Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ eröffnete, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Premiere; danach läuft es in ausgewählten Kinos. In dem Film begleiten die Nachwuchsregisseurinnen drei völlig unterschiedliche Protagonisten bei ihren nächtlichen Ausflügen in Berlin. Da ist zum Beispiel Laurin, eine 18-jährige Schülerin, die im Alltag keinen Zugang zu ihren Klassenkameraden findet. Auf der Tanzfläche im Café Burger in Mitte verwandelt sie sich jedoch in einen kleinen Star. Selbstbewusst, weltvergessen, schillernd – und doch verletztlich.

„Wir haben genau solche Leute gesucht“, sagt Antje Kruska, „Menschen mit einer gewissen Fallhöhe, mit Turbulenzen im Leben.“ Dass die Dreharbeiten deshalb mitunter anders verliefen, als erwartet, haben Kruska und ihre Mitstreierin gerne in Kauf genommen. So schmiss Protagonistin Laurin noch während des Drehs die Schule – obwohl die Filmerinnen sie davon abzuhalten versuchten. „Die Leute wachsen einem während der Arbeit ans Herz“, sagt Kruska, die ursprünglich aus Dortmund kommt.

Mehrere Monate sind die beiden Frauen, die sich während des FU-Studiums kennen lernten und seither zusammen arbeiten, durch die Clubs gezogen, um die passenden Orte, die geeigneten Darsteller zu finden. „Wir wollten keinen Szene-Film machen und haben bewusst in allen Stadtteilen recherchiert, in allen Altersstufen gecastet“, sagt die gebürtige Schwabingerin Judith Keil. Dass der Film, zu dem die Berliner Pop-Band Super 700 einen Großteil der Musik beisteurte, mal wieder Berliner Underdogs zeigt, sei eher Zufall, betonen beide. Für ihr Werk „Der Glanz von Berlin“ über zwei Putzfrauen wurden sie vor vier Jahren mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Dennoch geben sich die zwei bescheiden: Trotz des Preises gehe der Kampf um Fördergelder weiter, sagt Keil. Ihren Erfolg begründen sie mit ihrem eingespielten Team, zu dem Kameramann Marcus Winterbauer und Cutterin Inge Schneider gehören. Die Vertrautheit, die sich über die Jahre entwickelt hat, würde sich auch auf die Protagonisten übertragen – und so den Filmen Authentizität verleihen.

Nun wollen sich die Freundinnen Neues wagen: Nach vier gemeinsamen Dokumentationen sitzen sie an einem Spielfilm-Drehbuch. „Man ist dabei mit sich und seinem Kopf alleine“, sagt Keil. Ein bisschen ist das wie beim Tanzen.

Für die Premiere heute um 21 Uhr mit einem anschließenden Konzert der Pop-Gruppe Super 700 verlosen wir 5x2 Freikarten. Dafür bis 14 Uhr eine E-Mail an verlosung@tagesspiegel.de senden

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