Berlin : Gedrückte Stimmung, kaum Kunden Beschäftigte hoffen, dass es dennoch weitergeht

-

Bei Karstadt in der Turmstraße tritt sich die Kundschaft an diesem trüben Dienstagnachmittag nicht gerade gegenseitig auf die Füße. Nicht nur deshalb wirkt das Personal ziemlich geknickt. „Wir hängen in der Luft“, sagt eine junge Frau, „das ist nicht gerade lustig.“

An einem Pulloverstand spricht ein Kunde mit einer anderen Verkäuferin. „Ich verstehe das alles nicht“, sagt er, „wieso will Karstadt einige Häuser zumachen? Am Wittenbergplatz rüsten die doch gerade das KaDeWe zum absoluten Luxustempel um. Dafür ham’se anscheinend noch genug Geld.“ Wer dort künftig den Umsatz machen soll, kann die Verkäuferin aber auch nicht sagen: „Es heißt doch immer, in Berlin haben sie alle nichts.“ Ob sie selbst arbeitslos ist, wenn in der Turmstraße geschlossen wird, weiß sie auch nicht. „Wir erfahren erst noch, was passiert.“ Erst heute werden die Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung über die Konzernpläne informiert.

Auf dem Dach des Warenhauses in der Schöneberger Hauptstraße flattern die KarstadtFahnen lustlos im Nieselregen. Drinnen herrscht Leere, Kunden sind kaum zu sehen, Nur wenige irren mehr ratlos als zielstrebig durch die Etagen. In der Kosmetikabteilung ist sogar weder Kundschaft noch ein Verkäufer zu entdecken – nur ein Schild, das mit Gratisprodukten beim Kauf bestimmter Artikel wirbt.

Gekauft wird aber kaum. Auch in der Schuhabteilung ist wie fast überall im Haus keine Verkaufskraft zu erspähen – das Personal ist offenbar mehr als karg bemessen. „An uns kann man hier nicht mehr sparen, wir sind schon lange im Keller“, bestätigt eine freundliche Verkäuferin den Eindruck. Sie brauche fast Rollschuhe, um auf einer Etage zwischen den verschiedenen Verkaufsabteilungen hin- und herzueilen. Dass der Kunde bei so einer Sparpolitik irgendwann keinen Fuß mehr in das Haus setze, hätten sich „die da oben“ vielleicht eher mal überlegen sollen. Ob Karstadt in der Hauptstraße irgendwann geschlossen wird, weiß sie nicht: „Das erfahren wir als Letzte.“ Sie und ihre Kollegen hoffen aber, dass es „irgendwie weitergeht, egal mit wem.“

Sorgen müssen sich angesichts der Konzern-Pläne aber nicht nur die Beschäftigten machen, worauf die Senatsverwaltung für Wirtschaft hinwies: „Große Kaufhäuser bilden in der Regel die Kerne von Einkaufsstraßen. Wenn solche schließen, kriegt eine ganze Straße Probleme“, zitiert die Agentur dpa Behörden-Sprecher Christoph Lang. hema

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar