Berlin : Gefährlich Körperverletzung: Rabbiner geschlagen: Drei Wochen Jugendarrest

K. G.

Vier Monate nach dem Überfall auf den Rabbiner Walter Rothschild ist ein 16-jähriger Schüler gestern wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von drei Wochen Dauerarrest verurteilt worden. Zugleich wurde der Jugendliche für ein Jahr der Betreuungsaufsicht des Jugendamtes unterstellt. Ein Justizsprecher sagte, der Iraker habe in dem nicht-öffentlichen Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten ein Teilgeständnis abgelegt; ob es sich bei dem Angriff, wie zunächst angenommen, um eine antisemitische Straftat handelte, habe in der Verhandlung nicht geklärt werden können.

Der 46-jährige Rothschild war am 10. Januar mit der U-Bahn zum Wittenbergplatz gefahren und dort ausgestiegen. Auf dem Bahnsteig stritt sich ein Zugführer mit dem Angeklagten und zwei weiteren Jugendlichen. Als Rothschild, der wegen seiner Kleidung als Rabbiner zu erkennen war, beschwichtigen wollte, soll er zunächst von einem der Randalierer als "Scheißjude" beschimpft worden sein. Laut Anklage schlug ihm der Iraker erst den Hut vom Kopf und anschließend mit der Faust ins Gesicht. Dabei ging die Brille des Opfers zu Bruch, und Rothschild erlitt durch Glassplitter Gesichtsverletzungen, die in einem Krankenhaus behandelt werden mußten.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Iraker zunächst auch Beleidigung zur Last gelegt. Das Gericht habe jedoch nicht klären können, ob der Angeklagte Rothschild beleidigt hatte, und das Verfahren insoweit eingestellt, sagte der Justizsprecher. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von acht Monaten gefordert. Der 16-jährige war nach Angaben der Justiz bereits wegen anderer Gewalttaten aufgefallen.

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