Berlin : Gefährliche Gaspistolen sitzen locker

Werner Schmidt

Eifersüchtiger feuerte auf Frau und deren Freund - Vorsätzliche Taten und Unfälle mit SchreckschusswaffenWerner Schmidt

Gaspistolen und Schreckschussrevolver sitzen in Berlin gefährlich locker. Die Waffen, die zur Abschreckung dienen sollen und für Erwachsene erlaubt sind, können schwerste Verletzungen hervorrufen und sogar tödliche Wirkung haben. Gestern Mittag schoss ein 52 Jahre alter Mann in Wilmersdorf auf seine von ihm getrennt lebende Frau und deren Freund. In Tiergarten wurde ebenfalls gestern ein 14-jähriger Schüler schwer verletzt, als sein ein Jahr älterer Schulkamerad mit einer Schreckschusspistole hantierte und sich versehentlich ein Schuss löste.

Dem Wilmersdorfer Eifersuchtsdrama zwischen dem getrennt lebenden Ehepaar war eine verbale Auseinandersetzung vorausgegangen. Der Mann hatte seine Frau und deren Freund in deren Wohnhaus an der Eisenzahnstraße abgepasst. Während des Streites zog er plötzlich den Revolver hervor, schoss auf die beiden und soll dabei geschrien haben: "Du hast mein Leben zerstört, ich bringe dich um!" Mit der Waffe schlug er dann auf das bereits verletzte Paar ein. Beide Opfer erlitten schwere Kopfwunden. Der Täter floh. Am Abend fahndete eine Mordkommission noch nach ihm.

In Tiergarten erlitt ein Schüler durch einen Schuss schwere Gesichtsverletzungen, weil sein 15-jähriger Schulkamerad mit einer Schreckschusswaffe spielte. Statt in der Schule hielten sich die beiden gegen 8 Uhr in der elterlichen Wohnung des 15-Jährigen auf. Wem die Waffe gehört, konnte die Polizei gestern nicht sagen.

Am 1. März hatte in Marzahn ein Jugendlicher einen 18-Jährigen überfallen und ihm ebenfalls mit einer Schreckschusspistole ins Gesicht geschossen. Dass das Opfer nach Darstellung der Polizei lediglich ein Knalltrauma erlitt, ist eher glücklichen Umständen zu verdanken. Tödlich endete ein Schuss aus einer Schreckschusswaffe im November 1996 für einen 21 Jahre alten Mann. Das Opfer hatte in einem Jugendklub mit einem 26-jährigen Bekannten gerangelt, als dieser ihm plötzlich die Waffe an den Hals hielt und abdrückte. Der Schuss verletzte die Halsschlagader des Opfers. Der 21-Jährige verblutete.

Der Druck aus der Mündung einer Schreckschusswaffe vermag problemlos weiches Gewebe wie die Herzkammerwand zu durchschlagen. Sogar der Schädel kann von dem Strahl, der wie ein Geschoss wirkt, durchschlagen werden. Besonderer Gefahr ist der nur wenige Millimeter dicke Schläfenbereich ausgessetzt, stellte der Rechtsmediziner Markus Rothschild in seiner Habilitationsschrift an der Freien Universität fest.

Die Schreckschusswaffen sind von echten auch aus der Nähe kaum mehr zu unterscheiden. Das kann auch für Täter nicht vorhersehbare Folgen haben: Im April 1995 wurde in Tempelhof ein Mann von der Polizei erschossen. Das Opfer hatte zuvor eine Tankstelle überfallen, den Kassierer mit einer Waffe bedroht und war geflohen. Auf seiner Flucht wurde er von der Polizei gestellt und richtete seine Waffe auf einen Beamten. Der Täter wurde von einem Polizisten durch einen Schuss aus der Dienstwaffe getötet. Die Waffe des Täters war eine Schreckschusspistole. Das stellte sich aber erst bei den nachträglichen Untersuchungen heraus.

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