Berlin : Gefährliche Kredite von der Bank

HANS TOEPPEN

Die Sparkasse setzt den Dispo hoch - und damit auch das Risiko für den KontoinhaberVON HANS TOEPPEN BERLIN.Schuldenmachen wird immer leichter.Die Berliner Sparkasse ist gerade dabei, einem größeren Kundenkreis kräftig erhöhte Dispositionskredite mitzuteilen - ein Verfahren, das bei der Verbraucherzentrale äußerst skeptisch betrachtet wird, "weil es geeignet ist, die Verschuldung zu fördern".Bisher lag der Dispo-Kredit beim Doppelten des monatlichen Einkommens.Nach Angaben der Bank wird er nun für einen nicht genannten Kreis auf das Vierfache erhöht.Dem Tagesspiegel ist aber auch ein Fall bekannt, in dem bei einem Monatseinkommen von 2000 Mark sogar ein automatischer Kredit von 12 000 gewährt wird.Damit steigt allerdings auch das Risiko für das Konto.Bei kriminellem Mißbrauch gehen die möglichen Schadensummen gewaltig hoch. "Ab dem 1.März gibt es als Service für einige Kunden einen erhöhten Kredit", sagt Sparkassen-Sprecher Frank Weidner, der aber keine Kriterien für die Aktion nennen kann.20 000 Mark hat jedenfalls ein Gehaltsempfänger verblüfft in der Dispo-Zeile gelesen."Die Kunden nehmen das grundsätzlich gerne entgegen", sagt Weidner.Das wird auch in anderen Banken gar nicht bezweifelt.Nicht alle sind allerdings so großzügig.Die Berliner Bank - im gleichen Konzern zu Hause wie die Sparkasse - bleibt beim Zweifachen des Monatseinkommens, "nur im Einzelfall auch mehr.Ohne Rücksprache gibt es keine Veränderung". Und auch der Marktführer, die Deutsche Bank, geht mit den Zahlen nicht so hoch.Lediglich das Doppelte bis Dreifache des Monatseinkommens wird bei dem Frankfurter Geldhaus für Privatkunden kreditiert.Die Postbank setzt sogar bei 10 000 Mark eine allgemeine Grenze. Bei der Verbraucherzentrale findet es Ernst Unger, stellvertretender Geschäftsführer und Jurist, "schon ungewöhnlich, das dem Kunden unaufgefordert aufzudrängen".Die Bank sollte wenigstens fragen, meint Ungerer: "Wir haben schon immer beklagt, daß Dispokredite den Leuten aufgedrängt werden.Das führt sie in Versuchung." Wer den erhöhten Dispo-Betrag nicht haben möchte, solle bei seiner Filiale eine Reduzierung veranlassen, rät die Sparkasse auf Anfrage.Das könnte auch ratsam sein - wenn man nämlich den Zugriff von Kriminellen auf das Konto wenigstens begrenzen will.Vor kurzem ist einem Sparkassen-Kunden die Brieftasche gestohlen worden, zusammen mit Bankkarte und Ausweis.Mit Hilfe einer gefälschten Unterschrift hob der Dieb unverzüglich 10 500 Mark an einem Sparkassen-Schalter ab.Kontostand und Dispo-Höhe waren ihm bekannt: Er hatte sich kurz vorher einen Kontoauszug ausdrucken lassen.Über die Kreditkarte folgten noch einmal 4200 Mark bei der City-Bank.Wer trägt nun den Schaden? Die Citybank hat sich noch nicht geäußert.Die Sparkasse wollte erst gar nicht zahlen und befindet sich jetzt in Vergleichsverhandlungen.Die Kernfrage ist, wer seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Hat der Bankkunde seine Papiere leichtfertig und ohne Zugangskontrolle liegen lassen, sieht es schlecht aus.Umgekehrt stellt sich die Frage, wie es passieren kann, daß eine Bank sich einen gestohlenen Ausweis und eine gefälschte Unterschrift andrehen läßt.Deshalb regeln Banken so etwas im allgemeinen auf dem Kulanzweg."Kaum vorstellbar, daß ein Dieb genauso aussieht wie der wahre Ausweisinhaber", heißt es bei einem anderen Geldhaus."Die Bank wird es deshalb schon sehr schwer haben mit dem Nachweis, daß sie die Identität sorgfältig überprüft hat." Gerade bei größeren Summen müsse sie sich den Ausweis sehr genau anschauen.

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